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Skulpturen aus Beton in Kasseler Galerie - sensibel und poetisch

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Von: Gesa Esterer

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„Hausesel“: Eines der Werke von Max Coulon.
„Hausesel“: Eines der Werke von Max Coulon. © Gesa Esterer

Skulpturen aus Beton von Max Coulon sind zurzeit in der Galerie Coucou in Kassel ausgestellt.

Kassel – Ist unterhalb des Auges eine Träne zu sehen? Oder eine Wunde? Was hat dieser Hausesel erlebt? Die Beine stecken in schmalen Reitstiefeln: Irgendwann einmal von einem Kind getragen. Die Sohlen sind abgelaufen. Aufmerksam spitzt das graue Tier die schönen, langen Ohren.

Mit dem Titel „Riding A Horse Backwards“ präsentiert der französisch-deutsche Künstler Max Coulon zurzeit in der Galerie Coucou fünf Reliefs und sechs beeindruckende, zum Teil fast ein Meter hohe Skulpturen aus Beton. Obwohl aus Zement hergestellt, wirken die massiven Figuren filigran. Vor allem die Köpfe auf den Reliefs erinnern an die Wichte in manchen Barockgärten.

Der betonfarbene Körper der Katze mit dem Titel „Moses“ gleicht dem eines Kindes mit riesigen Clownsschuhen. Unter- und Oberkörper passen nicht zusammen. Hände fehlen diesem Mischwesen mit dem Namen des Propheten. Eisenstäbe ragen aus den Armen. Es ist, als erzählten die Skulpturen des 1994 im Elsass geborenen Max Coulon von einer verborgenen, möglicherweise verdrängten Welt.

Um seine Arbeiten zu realisieren, sucht Coulon, der an der Akademie der Schönen Künste in Paris studierte und dort lebt, im Internet nach ausrangiertem Spielzeug sowie nach abgelegten Kinderklamotten. Der Kopf des Esels beispielsweise stammt von einem aufblasbaren Hüpftier. Manchmal näht der Künstler in seinem Atelier selbst Kinderkleidung aus Leinen. Zunächst sammelt der 28-Jährige Material, probiert, was zusammenpasst, beginnt mit der Gleichzeitigkeit von rückwärts und vorwärts die Figuren zu entwickeln.

Tierköpfe und Kleidungsstücke gießt Max Coulon mit Beton aus, womit die Oberfläche vielfach eine stoffliche Struktur bekommt. Augen, Nase, Maul, Unebenheiten, Risse, Falten prägen sich in das zunächst noch weiche Material. Manchmal färbt Coulon die Masse mit Pigmenten. Nach dem Trocknen setzt er die unterschiedlichen Elemente zusammen. Während des Arbeitsprozesses begibt sich der Künstler auf eine Reise in die Welt der Kindheit. Inneres stülpt sich nach außen, macht Schmerzhaftes sichtbar.

Die „Hundehütte“ ist verlassen, steht schräg auf zwei dicken Füßen aus geschnitztem Holz. Der geliebte Begleiter mit vier Pfoten scheint nicht mehr zu leben. Der Verlust hinterlässt ein riesiges, schwarzes Loch. Die Exponate von Max Coulon werfen Fragen auf, sensibel und vorsichtig. Eine wunderschöne, poetische Ausstellung.

Bis 11. November, Elfbuchenstraße 20, Di bis Fr 16 bis 19 Uhr, Kontakt: Tel. 01 70/96 99 89 7, coucou-coucou.com

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