Norbert Hobrecht stellte Animationsfilm vor

Skurriles Abenteuer auf dem Gletscher

Haben zusammen viel erlebt: Norbert Hobrecht (53) und die Figuren aus seinem Film „Auf dem Gletscher“. Foto:  V. Schmidt

Kassel. Der Kasseler Filmemacher Norbert Hobrecht lebt davon, Werbe- und Lehrfilme zu produzieren. Seine skurrilen Trickfilme dreht er in erster Linie für sich selbst.

In der Südstadt-Galerie hatte am Mittwochabend Hobrechts Figurenanimationsfilm „Auf dem Gletscher“ Weltpremiere. Der viertelstündige Film wurde im vergangenen Sommer in 14 Tagen auf dem Schweizer Gornergletscher gedreht. Acht fast lebensgroße Styrodur-Figuren, Hobrecht, sein Kollege Ulf Staeger und jede Menge Equipment mussten dafür mit einem Hubschrauber auf den Gletscher geflogen werden. Die Figuren wurden von Norbert Hobrecht selbst entworfen. Eine Mechanik im Inneren ermöglicht es, ihre Arme und Beine zu bewegen.

Die Idee zu „Auf dem Gletscher“ kam Hobrecht beim Lesen von Mark Twains halb-fiktivem Reisebericht „Bummel durch Europa“. Eine vier Seiten lange Szene darin beschreibt, wie eine Reisegruppe auf dem Gornergrat bei Zermatt steht und überlegt, wie sie wieder herunterkommt. Der Gornergletscher bewege sich, hat einer von ihnen im Reiseführer gelesen. Also beschließt die Gruppe, mit dem Gletscher ins Tal zu fahren.

Die grob geschnitzten Figuren in langen Kleidern, Anzügen und Bischofrobe passen so gar nicht ins ewige Eis. Die Wolken, die über den Gornergletscher hinwegziehen, zaubern Mimik auf ihre unbeweglichen Gesichter. Verzweifelt stochern sie mit ihren Schirmen im Schnee, als sie erfahren, dass die Fahrt mit dem Gletscher ins Tal tausend Jahre dauert.

Für seinen Film hat Norbert Hobrecht Mark Twains Erzählung in wörtliche Rede umgeschrieben. Der Kasseler Schauspieler Wolfram Mucha hat die Stimmen eingesprochen. Der Kasseler Musiker Diego Jascalevich komponierte Charangomusik für den Film und erfand, indem er an den Saiten seines Instruments entlangblies, einen Eiswindton.

Auf dem Gornergletscher wurde eine Frau vom Schweizer Tourismus-Verband auf die Dreharbeiten aufmerksam. Vielleicht gibt es „Auf dem Gletscher“ bald in Schweizer Touristinformationen zu sehen und zu kaufen.

Von Valerie Schmidt

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