Premiere in der Bad Hersfelder Stiftsruine: „Der Barbier von Sevilla“ von Rossini

Slapstick mit Mehrwert

Von Frauen umschwärmt: Johannes Wollrab als Figaro mit Damen des Festpielchors Foto: Hartmann

Bad Hersfeld. Würde man bei Gioachino Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ die Musik weglassen, dann hätte man eine Klamotte für das Ohnsorgtheater vor sich. Denn die Textfassung von Cesare Sterbini ist gegenüber der feinsinnigeren Vorlage von Beaumarchais zugespitzt zum komödiantischen Slapstick.

Doch Rossinis Musik macht aus der Geschichte, wie der schlaue Figaro die schöne Rosina aus den Fängen ihres ältlichen Vormunds Dr. Bartolo befreit und ihrer Liebe, dem Grafen Almaviva zuführt, ein gewichtiges Stück, in dem sich manche emotionalen und moralischen Abgründe auftun.

Nicht alle Akteure konnten am Donnerstag bei der Premiere in der Bad Hersfelder Stiftsruine den musikalischen Mehrwert des Stücks deutlich machen. Stimmlich flach, ja, ausdruckslos präsentierte sich der Tenor Stephan Scherpe als Graf Almaviva, und auch Florian Kresser als intriganter Musiklehrer Don Basilio lebte mehr von seinen komischen Auftritten mit Notenständer und kaputtem Schirm als von stimmlicher Überzeugungskraft.

Ganz anders Teresa Smolnik. Als Rosina ist sie eine strahlende Erscheinung. Hin- und hergerissen zwischen Resignation und hoffnungsvoller Verliebtheit, lässt sie ihre innere Bewegung in makellosen Koloraturen aufscheinen.

Johannes Wollrab ist als agiler, schlitzohriger Figaro stets geschäftig mit dem Fahrrad unterwegs (Regie: Hugo Wiek). Leichte Höhenprobleme seines klangvollen Baritons kaschiert er geschickt - mit einer etwas freien Version seiner berühmten Auftrittsarie. Sein Gegenspieler ist Riccardo Di Francesco als Dr. Bartolo, der ihm schauspielerisch in nichts nachsteht und mit rasenden Koloraturen brilliert. Bei den kleineren Partien überzeugt die höhensichere Iris Stefanie Maier als Haushälterin Berta.

Das komödiantische Spiel zwischen den mit Gerüstbauten angedeuteten Schauplätzen, Bartolos Haus und Figaros Beauty-Salon (Bühne: Siegmund Bachmann), gewinnt zunehmend an Fahrt und an Pep. Dazu kommen raffinierte Effekte: Eindrucksvoll fliegen bei der Gewitterszene die Schirme über die Bühne. Als routiniertes Opernorchester erweisen sich trotz kleiner Ungenauigkeiten die Virtuosi Brunensis, angeleitet vom sicheren Dirigenten Georg Christoph Sandmann.

Wieder am 13., 15., 17., 19., 21. und 23.8. Karten: 06621 / 506713 und 506718.

Von Werner Fritsch

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