Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

So ist der Franken-„Tatort: Ich töte niemand“

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Suche nach Informationen über die Toten: Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel, von links), Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) am Tatort.

Am Rande Nürnbergs werden im neuen Franken-„Tatort: Ich töte niemand“ zwei Leichen gefunden: ein Libyer und seine Schwester. Ihr Ziehsohn Ahmed ist verschwunden.

Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) nehmen die Ermittlungen auf, bei denen Ringelhahn an ihre Grenzen kommt, als ein enger Freund stirbt. Ein Gespräch mit Fabian Hinrichs.

Was erwartet die Zuschauer in diesem „Tatort“?

Fabian Hinrichs: Es gibt ja immer die augenscheinlichen Themen. Das sind hier die neue Rechte und der islamische Fundamentalismus. Aber Filme sollten kein Schulaufsatz sein. Denn hinter den notwendigen Primärthemen verbergen sich doch viele, viele andere Themen, insbesondere die, die sich aus den Beziehungen der Menschen untereinander ergeben. Im besten Fall wäre es bei diesem „Tatort“ auch so. Der „Tatort“ hat ja immer den mehr oder minder geheimen Auftrag, aktuelle Themen in eine spannende Narration einzubetten. Ich selber könnte darauf verzichten, finde das aber dann vollkommen vertretbar, wenn diese Oberfläche immer wieder perforiert wird.

Der Film beginnt mit einer Party bei Felix Voss zu Hause. Würden Sie sich mehr private Einblicke in das Leben der Kommissare wünschen?

Hinrichs: Ich würde mir das wünschen und habe den Eindruck, das steht dem Felix gut. Ich finde, das macht ihn interessanter und er bleibt kein leeres Blatt. Wo man das elegant, also auch als Gewinn für den Film einbringen kann, beginnt man ja mehr, sich für die Ermittler zu interessieren. So geht mir das selber als Zuschauer und deswegen werde ich mich da auch weiter für einsetzen.

In einer Szene sagt Felix Voss, das Leben als Polizist sei ein schwarzer Raum und man „rennt und rennt und kommt keinen Meter weiter“. Wie sehr lässt sich Voss davon in seiner Arbeit beeinflussen?

Hinrichs: Die Gedanken, die Zweifel sind da, denn die Polizei wird ja nie gerufen, wenn etwas Schönes passiert. Es ist offensichtlich, dass das ein sehr harter Beruf sein kann. Er macht aber weiter und versucht, dadurch dass man den Täter fasst, zumindest so etwas wie versuchte teilweise Gerechtigkeit herbeizuführen für die Hinterbliebenen, unerlässlich für das Zusammensein in der Gemeinschaft.

Ihr Vater und Ihr Bruder sind Polizisten. Würden Sie deshalb sagen, dass diese Aussagen auf den Polizistenalltag zutreffen?

Hinrichs: Ich denke schon. Es sind ja sehr unterschiedliche Leute in den unterschiedlichsten Abteilungen, die sich in unterschiedlichsten Berufswirklichkeiten bewegen. Aber in Bezug auf Polizisten, die zum Beispiel mit vielen Gewaltverbrechen konfrontiert sind, ganz gewiss. Ich glaube aber, dass manchmal auch eine rätselhafte Faszination besteht. Denn was treibt beispielsweise diejenigen Ermittler an, die jahrelang intensiv nach einem Gewalttäter suchen? Vielleicht auch, dass man nicht nur für sich alleine lebt, dass man – wenn auch nicht heilen – zumindest helfen kann.

Kommissarin Ringelhahn kommt in diesem „Tatort“ an ihre Grenzen. Wie würden Sie die Beziehung zwischen den beiden Kommissaren beschreiben?

Hinrichs: Sie sind füreinander da. Das heißt nicht, dass es nicht auch in Zukunft mal zu Streitigkeiten kommen kann, aber letztlich übernehmen sie füreinander Verantwortung und fangen sich gegenseitig auf.

Insgesamt ist dieser „Tatort“ sehr düster, bedrückend und dunkel. Wirkt sich das auch auf die Stimmung am Set aus?

Hinrichs: Ich denke schon, dass man, wenn man eine Komödie dreht, da ein bisschen heiterer durch die Gegend läuft. Ich nehme meine Arbeit ernst, aber ich finde das auch immer ein bisschen befremdlich, wenn Leute das fast religiös ausüben, diese ganzen Method-Actors zum Beispiel. Ich konzentriere mich und habe eine Verantwortung, und ich möchte ja auch in gewisse Bereiche vordringen, Bereiche der Wahrhaftigkeit. Sonst wäre es ja nur Geldverdienen. Aber ob ich dann abends auch düster herumlaufe? Nein, auf keinen Fall.

Der Franken-„Tatort“ läuft nur ein Mal im Jahr. Finden Sie, dass das zu wenig ist?

Hinrichs: Es hat Vor- und Nachteile. Die Beziehung zum Zuschauer wäre bestimmt stärker, wenn es drei Filme wären oder zwei, aber der Vorteil ist, dass ich auch noch andere Sachen machen kann. Ich hätte nichts dagegen, zwei im Jahr zu machen, aber will mich da nicht aufdrängen.

Fabian Hinrichs (43) wurde 1974 in Hamburg geboren. Er brach ein Jurastudium ab und ging an die Westfälische Schauspielschule Bochum. Nach seinem Abschluss gehörte er fünf Jahre dem Emsemble der Berliner Volksbühne an. Sein Durchbruch im Film gelang ihm 2005 mit der Rolle des Hans Scholl im Oscar-nominierten Film „Sophie Scholl – die letzten Tage“.

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