Eröffnung demonstrierte Vielfalt des Genres

Mal bunt, mal dunkelbunt: So war der Auftakt des Kasseler Weltmusikfestivals

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Fast unberechenbar: Die Band Maik Mondial (von links) Josef Mücksch, Mike Bräutigam und Raphael Grunau.

Kassel. Vier Konzerte am Freitag und Samstag: Von ergreifenden Gesängen bis hin zur Elektroswing-Stimmung am Siedepunkt. 

Von ergreifenden Gesängen bis zum mitreißenden Tanzvergnügen: Viel geboten bekamen rund 700 Besucher beim Eröffnungswochenende des 21. Kasseler Weltmusikfestivals. Die Klänge pulsierten im Foyer der Kasseler Sparkasse, das sich zum Auftakt in einen Konzertsaal verwandelte.

Internationale Künstler bewiesen die Vielfalt des Genres und das tolle Niveau des vom Kulturzentrum Schlachthof veranstalteten Festivals. „Uns werden andere Welten berühren“, versprach eingangs Ingo Buchholz, Vorstandsvorsitzender der Kasseler Sparkasse, die mit ihrer Kulturstiftung das Festival als Förderer und Kooperationspartner unterstützt. Oberbürgermeister Christian Geselle würdigte in seinem Grußwort das Weltmusikfestival als wichtigen Bestandteil des reichen und vielfältigen Kulturlebens der Stadt.

Durch die beiden Abende führte wieder der Frankfurter Musiker und Musikredakteur Gregor Praml, der zusammen mit seiner Frau Claudia sowie den Schlachthof-Mitarbeitern Catharina Nieland und Marcel Klier dem künstlerischen Leitungsteam angehört. Als erste Gruppe am Freitag kündigte Praml die israelische Formation Gulaza und ihre Interpretation jemenitischer Frauenlieder an – Musik mit traurigem, ja empörendem Hintergrund. Denn Frauen im Jemen werden meist als blutjunge Mädchen verheiratet und von ihren Eltern getrennt. Als Flucht aus dem Alltag bleiben ihnen vor allem die Lieder, die sie von ihren Müttern gelernt haben und die sie später selber an ihre Töchter weitergeben.

Igal Mizrahj

BeimQuartett Gulaza singt ein Mann diese bewegenden Stücke – und zwar ausgezeichnet. So beeindruckte Igal Mizrahi mit geschmeidigen Verzierungen und wohligem Timbre. Es war eine Darbietung, so emotional wie von schwebender Schönheit. Für die Begleitung sorgte das exzellente Ensemble mit Cello, Gitarre, Percussion und der türkischen Laute Cümbüs, die im Aussehen an ein Banjo erinnert – bei Weltmusik gibt es reizvolle Instrumente zu entdecken.

Rein instrumental ging es weiter, servierte doch das Würzburger Quintett Maik Mondial einen virtuose Balkan-World-Jazz-Mix. Die 2017 mit dem bedeutenden Creole-Tour-Preis ausgezeichnete Band wechselte fast unberechenbar zwischen rasanten und lyrischen Passagen. Ein bewegtes Klangbild von der Geige bis zu tiefen Fundamenten, wahlweise am Ukulelenbass und der Tuba. Ein Stück im 15/16-Takt nannte der Trompeter Mike Bräutigam ein „bisschen tricky.“

Das zweite Doppelkonzert am Samstag eröffneten die Heilbronner Sopranistin Devrim Kavalli und ihre Band mit einer überaus warmherzigen Performance. Die deutsche Sängerin mit kurdisch-türkisch-armenischen Wurzeln spannte einen ausdrucksvollen Bogen und zelebrierte so feinfühlig wie stimmstark jiddische, armenische, türkische, kurdische und hebräische Lieder. Eine denkwürdige Überraschung: Zusammen mit dem Publikum sang sie das Lied „Hejo, spann den Wagen an“.

Hatten alle Künstler begeisterten Beifall bekommen, so brachte Ulf Lindemann alias Dunkelbunt die Stimmung auf den Siedepunkt. Der aus Hamburg stammende Wahl-Wiener gehört als DJ und Produzent zu den Pionieren der Genres Balkan-Beats und Electroswing. Mit einem Tastensolo legte er los, darauf überraschte ein Walzer, doch als die Beats hinzukamen, ging es richtig ab und das Foyer wurde zu einem brodelnden Tanzsaal. Nahezu alle waren auf den Beinen, ließen sich von dem Elektronik-Meister und seiner bewegungsfreudig-brillanten Band mitreißen. Abenteuerlich bunt dabei der Musikmix. Beispielsweise gab es so unterschiedliche Zutaten wie einen Sirtaki und Arthur Lees Songklassiker „Everybody’s Gotta Live“. Kein Wunder, dass das Publikum im höchsten Grade enthusiasmiert war. Nun locken die weiteren Veranstaltungen des Festivals bis zum 29. April an verschiedenen Orten in Kassel. 

Programm und mehr: www.weltmusikfestival-kassel.de

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