Mit verschrobenem Postrock hat es die isländische Band Sigur Rós zu Weltruhm gebracht

Sogar Scarlett wird nervös

Ihre neuen Songs klingen dreckiger: Georg Hólm (von links), Jón Birgisson und Orri Dyrason von Sigur Rós. Foto: Beggars

Bei Jón Birgisson wird selbst ein Hollywood-Star wie Scarlett Johansson schüchtern. Vor zwei Jahren war der Sänger der isländischen Band Sigur Rós mit seinem Partner auf der Premieren-Party des Kinofilms „Wir kaufen einen Zoo“, für den er die Musik geschrieben hatte. Plötzlich stand Johansson vor ihm. Die Blondine macht sonst die Männer verrückt, aber nun stammelte sie: „Ich kann nicht glauben, dich hier zu treffen. Das macht mich ganz verlegen.“

Die unbekannten Stars von Sigur Rós machen sogar die berühmten Stars nervös. Kritiker nennen die Formation aus Reykjavík „die seltsamste Band, die je zu Weltruhm kam“. Ihr Postrock vereint Ambient, elfenhaften Pop, Klassik, hymnische Melodien und etwas Kitsch zu einem eigenen Genre. Frontmann Birgisson (38), der sich Jónsi nennt und auf einem Auge von Geburt an blind ist, spielt die Gitarre mit einem Cellobogen, seine Texte singt er im Falsett auf Isländisch oder in einer Fantasiesprache namens Vonlenska.

Und trotzdem schaffen es Sigur Rós mit ihren bis zu zehn Minuten langen Songs in den USA regelmäßig in die Top Ten der Charts und füllen in New York den Madison Square Garden. Mit ihrem neuen Werk hat es die Band in Deutschland erstmals auf Platz 17 der Hitparade geschafft. Das überrascht, weil „Kveikur“ weniger eingängig ist als die sechs anderen Studioalben seit 1994. Das fast acht Minuten lange Eröffnungsstück „Brennisteinn“ klingt, als sei die Stereoanlage kaputt. Auch die acht anderen Lieder erinnern an Industrial Rock.

„Es ist dreckiger und rauer als unsere früheren Alben“, sagt Jónsi, der nach dem Ausstieg des Keyboarders Kjartan Sveinsson mit Georg Hólm und Orri Dyrason als Trio weitermacht. Schlagzeug und Bass stehen nun im Vordergrund.

Sigur Rós wollten etwas Neues machen, was vielleicht auch einige verschreckt. Dabei machen sie schon immer ihr Ding. Jedes Jahr fragen Weltkonzerne an, um ihre Musik in TV-Spots zu verwenden. Jedes Mal sagen Jónsi und seine Kollegen ab. Angeblich haben sie so schon ein Vermögen ausgeschlagen. Schlagzeuger Orri arbeitet stattdessen lieber zeitweise als Hausmeister.

Diese Verschrobenheit macht Sigur Rós noch interessanter. Sogar „Die Simpsons“ setzten der Band ein Denkmal. Als Zeichentrickfigur hat es nicht einmal Scarlett Johansson in die US-Serie geschafft.

Sigur Rós: Kveikur (Beggars Group). Wertung: !!!!:

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.