Soul-Entdeckung Seven: "Ich bin ein bisschen schizo“

Der Soul-Sänger Seven war die Entdeckung der aktuellen "Song meinen Song"-Staffel. Nun kommt er ins Kasseler Kulturzelt. Im Interview gesteht der Schweizer, dass er ein Freak ist.

Bevor der Schweizer SoulSänger Seven dieses Frühjahr in der dritten Staffel von „Sing meinen Song“ zu sehen war, hatte er 40 000 Facebook-Fans. Nun sind es fast 70.000. Dank des Vox-Erfolgsformats mit Xavier Naidoo entdecken die Deutschen einen ungewöhnlichen Musiker, der in seiner Heimat längst ein Star ist. Am 14. August gastiert der 26-Jährige im Kasseler Kulturzelt.

War Ihnen bewusst, welche Bedeutung die Musik-Show „Sing meinen Song“ für Ihre Karriere haben kann?

Seven: Ganz ehrlich: nein. Mir wurde das vorher zwar gesagt. Und ich habe gesehen, welch explosionsartige Entwicklung Gregor Meyle durchgemacht hat, der in der ersten Staffel als Underdog dabei war. Aber ich hätte nie gedacht, dass das mit meiner Musik auch klappen würde. Es gab mehrere Hürden: Ich singe auf Englisch, in Deutschland gibt es keine große Soul- und Funkszene, und ich mache keine Mainstream-Musik, die radiotauglich ist. Was dann passiert ist, ist unglaublich. Unsere Konzerte müssen wir fast überall aufstocken.

Warum ist das „Tauschkonzert“ so beliebt?

Seven: Weil das Format ein Gegenpol zu den anderen Musiksendungen im Fernsehen ist. Dort geht es oft nur sekundär um Musik. Bei Castingshows möchte man den Tellerwäscher sehen, der Millionär wird und dann doch scheitert. Das ist kein nachhaltiger Aufbau eines Künstlers, sondern eine Seifenoper. „Sing meinen Song“ dagegen ist authentisch und zeigt Musiker, die etwas zu sagen haben. Anders als bei dem anderen Brei ist Musik hier nicht nur Mittel zum Zweck.

In der Schweiz waren Sie schon vorher ein Star. Können Sie überhaupt noch ungestört durch Luzern laufen?

Seven: Bei uns kann sogar Tina Turner ungestört durch Zürich laufen. Die Schweizer sind sehr zurückhaltend. Selbst wenn ich unseren Sohn vom Kindergarten abhole, ist das kein Problem. In meinem Alltag hat sich nichts verändert. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich nicht über Nacht berühmt geworden bin. Ganz langsam habe ich mir jeden einzelnen Fan erspielt. Und nun sind die Schweizer ein bisschen stolz, weil mich Deutschland mit offenen Armen aufgenommen hat.

Wie schwierig ist es als Musiker, wenn man aus so einem kleinen Land kommt?

Seven: Wenn du in der Schweiz bleiben willst, kann das auch ein Vorteil sein. Hast du es einmal in die Zeitungen und Radiostationen geschafft, lernen dich alle schnell kennen. Aber du kannst nicht mal eben sagen: „Jetzt trete ich in ganz Frankreich auf.“ Der heimische Markt muss den Export finanzieren.

Welchen Einfluss hatten Ihr Vater, ein Tenor, und Ihre Mutter, eine Pianistin, auf Ihre Berufswahl?

Seven: Sie haben mich nie gepusht, ein Instrument zu lernen. Sie haben auch nie gesagt, ich solle erst einmal etwas Gescheites lernen. Sie haben uns Kindern einfach ihren Beruf vorgelebt. Für mich ist es das Normalste auf der Welt, Musiker zu sein, zu üben und zu reisen. Wenn einer dagegen sagt, mein Vater ist Bäcker, dann frage ich: „Wow, wie ist das?“ Für mich ist man übrigens auch dann Musiker, wenn man nicht davon lebt. Sollte es bei mir einmal nicht mehr laufen, bleibe ich trotzdem Musiker.

Ihr älterer Bruder, der Sie als Zwölfjähriger in seine Band geholt hat und der nun Ihr Backgroundsänger ist, sagt, Sie seien ein „liebenswerter Draufgänger mit Hang zum Freak-Sein“. Was meint er damit?

Seven: Ich bin ein bisschen schizo und suche mir immer die größtmögliche Herausforderung. Auf der letzten Tour waren wir mit 13 Musikern und Hebebühne unterwegs. Das war volles Risiko. Wenn die Konzerte nicht zu 80 Prozent ausgelastet gewesen wären, hätten wir einen Draufleger gemacht. Ohne Druck wird mir schnell langweilig. Und als Perfektionist gebe ich immer mein Bestes.

Wie sehr muss es Sie da ärgern, dass Sie sich Seven genannt haben?

Seven: Total, aber vor 14 Jahren habe ich nicht daran gedacht, dass man einen Namen bei Google finden muss. Es war eine emotionale Entscheidung, weil 7 meine Lieblingszahl ist und zugleich etwas Vertrautes sowie Mythisches hat. Betriebswirtschaftlich war es eine unglaublich dumme Entscheidung. Wenn man Seven googelt, findet man erst einen Friseur, dann eine Bar sowie den Film und erst ganz weit hinten mich. Aber vielleicht ändert sich das.

Seven im Kasseler Kulturzelt: 14. August, 19.30 Uhr.

Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

www.kulturzelt-kassel.de

Zur Person

Geboren: am 18. Oktober 1978 in Wohlen im Kanton Aargau unter dem Namen Jan Dettwyler als Sohn eines Tenors und einer Pianistin.

Karriere: Dettwyler trat bereits als 15-Jähriger mit seinem älteren Bruder und der Band Natural Acapella auf. Sein erstes Album als Seven veröffentlichte er 2002.

Aktuelle Alben: „BackFunkLoveSoul“ sowie „Best of 2002-2016“ (beide bei Sony erschienen)

Privates: Seven lebt mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn in Luzern.

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