Gelungene Kulturzelt-Saison: Sommer der Frauen

Strahlte nach ihrem Auftritt zu Recht: Stephanie Nilles. Foto: Ditzel

Kassel. Am Ende jenes Abends, an dem Sharon Jones das Kasseler Kulturzelt gerockt hatte wie kein anderer Künstler in diesem Sommer, setzte sich die US-Sängerin auf die Treppe zum Garderobenwagen und zündete sich eine dicke Zigarre an.

Dann begann die nächste Show: Die 55-Jährige blies große Rauchschwaden in die Luft und spielte pantomimisch eine Anglerin, die die geräucherten Fische davonfliegen ließ. Zuvor hatte sie den entzückten Fans bereits eine Stunde lang Autogramme gegeben.

Hatte unglaubliche Energie: Sharon Jones. Foto: Fischer / nh

Künstlerinnen wie Jones gibt es sehr selten. Und wahrscheinlich gibt es auch nur wenige Orte, an denen sich Musiker so geben wie beim Festival an der Kasseler Drahtbrücke. Organisatorin Angelika Umbach erzählt die Geschichte mit Jones, dem Star zum Anfassen, gern. Sie sagt einiges aus über den Stellenwert des Kulturzelts, das in seiner 25. Saison auch eine nach Zahlen hervorragende Bilanz aufweist.

22 000 Besucher haben die 32 Konzerte in den vergangenen sechs Wochen besucht. Gegenüber den Vorjahren (20 000 und 16 000) ist das eine deutliche Steigerung. Auch die Auslastung ist mit knapp 90 Prozent beachtlich. Für die gute Statistik sind nicht nur die heimischen Musikfans verantwortlich. „Zu uns kommen immer mehr Besucher aus ganz Deutschland und sehr viele auch aus Skandinavien“, sagt Umbach.

Bot einen tollen Auftakt: Gabby Young. Foto:  Koch

Zu sehen bekamen die in diesem Jahr vor allem tolle Auftritte von Sängerinnen: Schon der Auftakt mit der Britin Gabby Young und ihrem schrägen Zirkus-Folk war ein Ereignis. Auch die hierzulande noch unbekannte US-Pianistin Stephanie Nilles spielte sich in die Herzen der Zuschauer. Und über den Auftritt von Jones sagt Organisator Lutz Engelhardt, dass es eines der fünf besten Konzerte seines Lebens gewesen sei.

Gut möglich, dass die drei Publikumslieblinge ein weiteres Mal in dem temporären Bau auftreten werden, der sich nach den heißen Diskussionen bei der Premiere im vergangenen Jahr dank besserer Akustik und klimatischer Bedingungen nun endgültig bewährt hat. Vielleicht wird er 2012 mehr als sechs Wochen stehen: Für den documenta-Sommer denken die Organisatoren über eine Verlängerung der Saison nach.

Von Matthias Lohr

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