Künstler im Juli

Der Sommer der Stars: Das Programm zum Kulturzelt 2014 in Kassel - Teil 1 (Juli)

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In diesem Kulturzelt-Sommer gibt es endlich ein Wiedersehen mit Calexico.

Kassel. Sommererwachen - so lässt sich alljährlich das Gefühl beschreiben, wenn die ersten Namen der Künstler, die im Kulturzelt an der Drahtbrücke auftreten werden, eintreffen und das Programm Gestalt annimmt. Sommererwachen - egal wie kalt es meistens zu dieser Jahreszeit noch ist.

In diesem Jahr ist es ein besonders schönes Sommererwachen mit einem Programm, das die Veranstaltungen zur letzten und vorletzten documenta locker übertrifft. 32 Konzerte mit Weltstars, die man unter anderen Umständen wohl nie in Kassel zu sehen bekäme, mit Grammy-Gewinnern und den prominentesten Vertretern der jeweiligen Genres. Im HipHop-Jargon würde man sagen "All Killah, No Filla".

Der Vorverkauf beginnt am Dienstag, 18. März. Dann gibt es hier auch Links zum Karten-bestellen. Doch jetzt gibt es erst einmal eine Programmübersicht mit Tipps zur Entscheidungshilfe und Prognosen zum Kartenverkauf.

Galerie: Die Kulturzeltkünstler im Foto-Überblick

Die Kulturzelt-Künstler 2014

11. und 12. Juli: Flo Mega / Urban Mash Up Allstars

Das Partyformat zur Eröffnung hat sich im dritten Jahr offensichtlich etabliert. Gute Soul-Musik kann auch aus Deutschland kommen und hier nicht nur aus dem Stuttgarter Dunstkreis um Max Herre. Den Beweis liefert Flo Mega aus Hamburg. Außerdem dabei sind Omar Lye-Fook, ein Neo-Soul-Sänger aus GB und Joe Bel, eine Soul-Funk-Chanteuse aus Frankreich. Eine Entdeckung ist auch Ami Warning, die mit ihren gerade mal 18 Jahren schon an die große Tracy Chapman erinnert.

Ausverkaufsfaktor: Der Eröffnungsabend sowieso aber Flo Mega dürfte genüget Fans haben, die spätestens am 12. Juli die Bude voll machen. Sind ja noch keine Sommerferien. (Eintritt: 24/26 Euro) Zum Vorverkauf

Mittwoch, 16. Juli: Michael Wollny, Tamar Halperin und die hr-Bigband

Michael Wollny ist erst 35 Jahre alt und zählt international schon zu den ganz großen kompositorischen und interpretatorischen Talenten des Piano Jazz. Im Zusammenwirken mit der israelischen Cembalo-Spielerin und der hr-Bigband - auch einer der führenden Klangkörper in Deutschland - erweitert er das Spektrum in den Ambient- und Elektronik-Bereich.

Ausverkaufsfaktor: Schon Wochen vorher dürfte es für diese Veranstaltung keine Karten mehr geben, zumal Wollny in dieser besonderen Konstellation nur wenige Konzerte gibt. (Eintritt: 24/26 Euro) Zum Vorverkauf

Donnerstag, 17. Juli: Nils Landgrens Funk Unit

Ob Abba, Bach oder skandinavische Folklore, der Mann mit der roten Posaune verwandelt alles in Funky-Jazz-Tunes. Ein Konzert ist für ihn erst gut, wenn alle Leute tanzen. Und wenn sie das tun, dann legt er noch mit HipHop- und Rap-Einlagen kräftig nach. Kein Abend für Jazz-Puristen aber für die Fans von Chic, James Brown und Daft Punk.

Ausverkaufsfaktor: Bisher waren alle Konzerte von Nils Landsern im Kulturzelt ausverkauft. (Eintritt: 24/26 Euro) 
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Freitag, 18. Juli: Habib Koité

Der oft strapazierte Begriff vom "hypnotischen Klangteppich", hier trifft er ausnahmsweise voll zu. Und obwohl viele Kritiker in seiner Musik den Inbegriff der Weltmusik sehen, hat sich der Gitarrist aus Mali nie darum geschert, was darunter zu verstehen ist. Mit einer traumwandlerischen Sicherheit greift er Elemente des Soul, Blues und Flamenco auf und verbindet sie mit der ethnischen Tradition seiner Heimat zu eben jenem "hypnotischen Klangteppich".

Ausverkaufsfaktor: In Paris würde er das Olympia innerhalb weniger Stunden ausverkaufen, in Kassel wird es etwas länger dauern. (Eintritt: 22/24 Euro)
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Samstag, 19. Juli: Keb`Mo

Die Zeiten, von denen der zweifache Grammy-Preisträger heute sagt "Ich spielte überall, wo ich eine Einladung bekam", sind lange vorbei. Keb`Mo ist der Robert Johnson von heute. Doch während der angeblich an den legendären "Crossroads" seine Seele an den Teufel verkaufte, um der beste Bluesgitarrist in Amerikas Süden zu werden, schaffte das Kevin Moore, so sein Taufname, mit seinem angeborenen Talent. Und das nicht nur in Amerika sondern weltweit. Wie sonst lässt sich erklären, dass so unterschiedliche Künstler wie Celine Dion, Bonnie Raitt, Joe Cocker und Peter Maffay auf den Mann aus dem South-District von Los Angeles stehen.

Ausverkaufsfaktor: Die Blues-Szene in Kassel und der Region ist schwer einzuschätzen. Ein besseres Konzert wird sie auf längere Zeit hin kaum geboten bekommen. (Eintritt: 24/26 Euro) 
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Sonntag, 20. Juli: Thees Uhlmann

Thees Uhlmann ist eine lebende deutsche Musikerlegende: Gründer und Bandleader von Tomte, Mitbegründer des Grand Hotel van Cleef-Labels, Autor der Tocotronic-Tourtagebücher (Wir könnten Freunde werden), Schauspieler (Keine Lieder über Liebe) und St. Pauli Fan. Seit zwei Jahren und zwei Soloalben ist er auch noch als Solist aktiv und schrieb in dieser Zeit Songperlen, die alleine schon von ihren Titeln her Kultstatus genießen: Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf, Und Jay-Z singt uns ein Lied, Das Mädchen von Kasse 2. Seine Live-Konzerte leben von den Geschichten zwischen diesen Liedern, wenn er aus seiner Jugend erzählt, von misslungenen Dates und natürlich immer wieder vom Fußball.

Ausverkaufsfaktor: Für St. Pauli Fans und Fans der Hamburger Schule ein Heimspiel. Aber Kassel ist nicht Hamburg.(Eintritt: 22/24 Euro) Zum Vorverkauf

Dienstag, 22. Juli: Trombone Shorty

New Orleans ist keineswegs nur die Heimat des Dixieland-Jazz. Aus New Orleans kommen auch die Brüder Wynton und Branford Marsalis, die Neville Brothers und Mac Rebennack alias Dr. John the Nighttripper, deren Musik den 28 Jahre jungen Troy Andrews, Künstlername Trombone Shorty, beeinflusste. Aber Shorty begnügt sich nicht nur damit, Klassiker wie den "St. James Infirmary Blues", "Hit the road Jack" oder  "Four" von Miles Davis neu zu interpretieren. Er schreibt auch eigene Titel, bei denen zum Jazz auch Rock- und Funkelemente hinzu kommen. "Supafunkrock" nennt er das.

Ausverkaufsfaktor: Angesichts der großen Konkurrenz im diesjährigen Kulturzeltprogramm könnte es schwierig werden. (Eintritt: 24/26 Euro) Zum Vorverkauf

Mittwoch, 23. Juli: John Grant (Redaktions-Tipp!)

Ob das amerikanische Rolling Stone-Magazin, der britische Guardian oder Der Spiegel in Deutschland - es gab im Januar 2013 nicht ein einziges Magazin in der westlichen Welt, das nicht John Grants Meisterwerk "Queen of Denmark" zu den fünf besten Alben des Jahres 2012 gezählt hat (auch die HNA). Seither zählt Grant neben Bon Iver, Bill Callahan und Kurt Vile (alles Tipps fürs Kulturzelt 2015) zu den wichtigsten und einflussreichsten Singer/Songwritern unserer Zeit. Keiner singt wie er über zerklüftete Gefühlsleben, zerrüttete Beziehungen und die damit einher gehenden Depressionen und doch schafft er es, dass man sich danach besser fühlt. 

Ausverkaufsfaktor: Ein Abend mit John Grant, das heißt auch, sich seinen eigenen Dämonen zu stellen. Wer traut sich das schon? In seinem Song "Sigourney Weaver" sagt  er, dass man diese Dämonen bekämpfen muss, wie Sigourney Weaver weiland die Monster in Alien. Auf zur Therapie! (Eintritt: 22/24 Euro) 
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Donnerstag, 24. Juli: Iyeoka

Bevor Iyeoka Ivy Okoawo in Boston/Massachusetts ihre musikalische Karriere startete, erlernte sie den Beruf der Apothekerin. Doch ihr Herz schlug, die afrikanischen Wurzeln ihres Elternhauses nicht verleugnend, für die klassische amerikanische Soulmusik der frühen Motown-Jahre. Die transferiert sie ins Heute, gelegentlich wird ihr Stil als Electric Soul bezeichnet. Doch was sind beim Soul schon Etiketten? Auf das Gefühl kommt es an. Und da darf man Iyeoka ruhig mit Sade oder Amy Winehouse in eine Reihe stellen. Zeit, dass die Produzenten der James Bond Filme sie mal für den Titelsong zum nächsten Film engagieren.

Ausverkaufsfaktor: Im vergangenen Jahr hat sie das Kulturzelt-Publikum begeistert. Auch wenn das Konzert nicht ausverkauft wird, eine gute Soul-Party wird es auf jeden Fall. (Eintritt: 22/24 Euro) Zum Vorverkauf

Freitag, 25. Juli: Gloria

Gloria, das sind Klaas Heufer-Umlauf ohne Loko Winterscheidt und Circus HalliGalli, dafür mit Mark Tavassol (ex-Wir Sind Helden-Bassist) und gleich drei weiteren Freunden an den Gitarren. Man darf die Band der Hamburger Schule zurechnen, intellektueller Schrammelrock irgendwo zwischen Tocotronic und Tomate angesiedelt. Das ist nicht aufregend neu, aber auch nicht schlecht. Gloria schreiben gute Texte über das Leben in den Städten. Um sich damit zu identifizieren muss man nicht aus Hamburg kommen, so lebt man auch in Oldenburg (der Heimatstadt Heufer-Umlaufs) oder in Kassel.

Ausverkaufsfaktor: Zu speziell, um das Zelt ganz voll zu machen. Da nützt auch der Promi-Faktor von Klaas Heufer-Umlauf nichts, den er übrigens bei Gloria nicht einmal ansatzweise durchblicken lässt. Fans von Tocotronic und Blumfeld sollten auf jeden Fall hingehen. (Eintritt: 20/22 Euro)Zum Vorverkauf

Samstag, 26. Juli: Maceo Parker

Für die ganz Jungen: Macho Parker ist der Inbegriff des klassischen Soul-Funk. Er veredelte mit seinem einzigartigen Saxofon-Spiel schon früh die Aufnahmen und Konzerte von James Brown, spielte in den Bands von George Clinton und Bootsy Collins, gründete seine eigene Band und hilft bei Prince oder den Red Hot Chilly Peppers aus, wann immer die ein "funky sax" brauchen. Allen anderen muss man die Funk-Legende nicht mehr vorstellen.

Ausverkaufsfaktor: Wie immer bis auf den letzten Platz. (Eintritt: 24/26 Euro) Zum Vorverkauf

Sonntag, 27. Juli: Calexico

Als sich die Nachricht verbreitete, Calexico würden wieder ins Kulturzelt kommen, gab es in der Szene nur eine Reaktion: "Endlich!" Allzu lange hat man den einzigartigen Calexico-Sound, jene Mischung aus Amerikana, mexikanischer Mariachi-Musik und US-Pop an der Drahtbrücke vermisst. Doch jetzt hat das Warten ein Ende. Die Band aus Tucson/Arizona mit ihrem Trompeter aus Bebra/Hessen kehrt an den Ort einiger ihrer größten Live-Erfolge zurück.

Ausverkaufsfaktor: Am Insider-Status der Band hat sich auch in der Zwischenzeit nichts geändert. Es wäre schön, aber es wird vermutlich ein Konzert für "Stammkunden" bleiben.(Eintritt: 24/26 Euro) Zum Vorverkauf

Mittwoch, 30. Juli: Angèlique Kidjo

Ethno-Puristen mögen die Musik der Sängerin aus Benin nicht sonderlich, Musikliebhaber ohne Schere im Kopf bejubeln dagegen ihre vom Rhythm & Blues und HipHop geprägte Afro-Soul-Fusion. Und zu diesen Liebhabern zählen unter anderem Peter Gabriel, Carlos Santana und Alicia Keys, die als Gäste auf dem ein oder anderen Kidjo-Album auftauchen. Live fasziniert Angèlique Kidjo außer mit ihrer Stimme auch noch mit extravaganten Tanzeinlagen, die ihr den Spitznamen "Die Diabolische" einbrachten.

Ausverkaufsfaktor: Schwer einzuschätzen. Vermutlich wird es nicht ganz reichen. (Eintritt: 24/26 Euro) Zum Vorverkauf

Donnerstag, 31. Juli: Roberto Fonseca & Fatoumata Diawara

Der derzeit erfolgreichste und meistgefragte Pianist des Latin Jazz hat sich mit einer Singer/Songwriterin aus Mali zusammen getan um eine "transatlantische Begegnung" - so die Ankündigung - zu feiern. Wie die sich gestalten wird, kann man vorerst nur mutmaßen. Aber wenn zwei solche Hochkaräter ihrer jeweiligen Genres gemeinsam musizieren, kann das Ergebnis eigentlich nur sensationell werden. Wer die bisherigen Konzerte von Fonseca im Kulturzelt erlebt hat, weiß das.

Ausverkaufsfaktor: Fonseca-Konzerte im Kulturzelt waren immer ausverkauft. (Eintritt: 24/26 Euro) Zum Vorverkauf

Kulturzelt-Künstler im August

(wd)

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