Kärt Ruubel brilliert beim Klavierfestival

Dem Sommer zum Trotz

Niestetal. Manchmal könnte man meinen, Musiker seien etwas verrückt. Während sich normale Menschen angesichts tropischer Temperaturen bevorzugt in Schwimmbädern und kühlen Räumlichkeiten aufhalten, konzertieren diese in voll besetzten Sälen und bieten Leistungen, bei denen selbst die Zuhörer ins Schwitzen geraten.

Die junge estnische Pianistin Kärt Ruubel gehörte am Mittwochabend zu der Gruppe dieser leidenschaftlichen Künstler. Mit Werken von Bach, Mozart, Brahms und Prokofjew ließ die attraktive Studentin der Musikhochschule Rostock das begeisterte Publikum im Gemeindehaus Niestetal alle sommerlichen Temperaturen vergessen.

Besonders ihre reife Interpretation von Bachs Französischer Suite Nr. 2 c-Moll wusste zu gefallen. So arbeitete Ruubel die polyphonen Strukturen durch eine intelligente Phrasierung und Artikulation wunderbar heraus. Souverän war auch Ruubels Interpretation von Brahms Klavierstücken op. 118, bei welchen ihr fein nuancierter Anschlag wunderbar zur Geltung kam. Auch wenn der Kopfsatz von Mozarts virtuoser Sonate D-Dur gegenüber den restlichen Programmpunkten etwas abfiel, änderte dies nichts an der souveränen Darbietung, welche die Pianistin den Zuhörern im beinahe voll besetzten Saal zum Nulltarif bot.

Insbesondere ihre rhythmisch und technisch sehr saubere und exakte Interpretation der Sonate Nr. 7 des russischen Komponisten Sergej Prokofjew ließ es einem schon vom Zuhören schwindlig werden. Kaum zu glauben, mit welcher Kraft und Energie die zierliche 21-jährige das finale Stück ihres Programmes bestritt. Dass die sichtlich erschöpfte Pianistin trotz fulminanten Beifalls und Bravo-Rufen eine Zugabe verwehrte, war da nur allzu verständlich. So verrückt sind Musiker dann schließlich doch nicht.

Nächste Termine: Freitag: Julia Rinderle (Musikhochschule Hannover) spielt Musik von Bach, Beethoven, Haydn und Schumann. Samstag: Leonie Rettig (Musikhochschule Hannover) spielt Stücke von Bach, Bach-Busoni und Liszt. Die Konzerte beginnen im ev. Gemeindehaus um 19.30 Uhr.

Von Sebastian Krämer

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