Ursel Schlicht und ihr Projekt Sonic Exchange führen Musiker aus aller Welt in Kassel zusammen

Ein Sommer voller Begegnungen

Fühlt sich in ihrem Klavierstudio im Foto-Motel zu Hause: Die Pianistin Ursel Schlicht, die 100 Tage lang mit ihrem Projekt „Sonic Exchange“ außergewöhnliche musikalische Erfahrungen ermöglicht. Foto: Fritsch

Kassel. Ursel Schlicht (49) ist begeistert. Ihr Klavierstudio, ein kleiner heller Raum, in dem ihr großer schwarzer Flügel steht, ist für sie in diesem Sommer 100 Tage lang das Zentrum ihrer Welt. Parallel zur documenta 13 findet hier, im Foto-Motel des Künstlerpaars Pitze und Elfi Eckart in der Wolfhager Straße 53, Schlichts Musikprojekt „Sonic Exchange“ statt.

Seit Mitte der 90er-Jahre lebt die Kasseler Jazz-Pianistin und Improvisationskünstlerin in New York - und schon zum vierten Mal veranstaltet sie während einer documenta ein Musikprojekt in Kassel. Diesmal scheint es, als habe sie dafür die ideale Form gefunden. „Zum ersten Mal ist es nicht ein eng begrenztes Projekt, sondern eines, das Zeit hat, sich zu entwickeln“, sagt Schlicht.

Und bei dem die räumlichen Bedingungen stimmen. Beim „Open Studio“ finden Besucher in dem kleinen Raum Platz. Werden die Fenster geöffnet, kann auch der Hof beschallt werden (auch die Galerie des Foto-Motel heißt „fensterzumhof“), und für die Konzerte wird der Flügel in den Nachbarraum geschoben, in dem gut 40 Leute Platz finden. Größere Konzerte finden außerdem im Dock 4 statt.

Die große Bandbreite der künstlerischen Begegnungen zeigt sich an den Events der vergangenen Tage. Da war aus Afghanistan der Musiker Salamat Schiftah zusammen mit dem indischen Tabla-Spieler Yama Karim zu Gast, und die Kasselerin Heike Wrede hat dazu getanzt. Die Kasseler Flötistin Ulrike Lentz war ebenso Musikpartnerin wie der amerikanische Gitarrist Scott Fields. Im Spektrum von Jazz, experimenteller Musik und Weltmusik sind die musikalischen Begegnungen angesiedelt - im Zentrum aber, das ist Ursel Schlicht wichtig, steht immer die Improvisation.

Begonnen hat das Projekt Sonic Exchange, das von der Stadt Kassel und vom Land Hessen gefördert wird, schon lange vor den 100 Tagen in Kassel - im Internet. Inzwischen gibt es viele Anfragen, bei den Konzerten mitzumachen, sowohl von Künstlern, die schon mit Ursel Schlicht zusammengearbeitet haben, als auch von solchen, die sie noch nicht kennt.

Für viele ist Kassel zurzeit auch deshalb attraktiv, weil sie die Teilnahme am Projekt Sonic Exchange mit einem documenta-Besuch verbinden können.

Über das Internet hat Ursel Schlicht auch mit einer Spendenaktion einige Tausend Euro Unterstützung eingetrieben. Eine Methode, die in den USA üblich, aber hierzulande noch nicht sehr verbreitet ist. Die Spender werden dann auf einer DVD die Höhepunkte des 100-Tage-Projekts miterleben können.

„Hoffentlich komme ich jetzt öfter dazu, das Material zu sichten“, meint Ursel Schlicht, denn das DVD-Projekt muss fortlaufend betreut werden. Bisher war die Pianistin mit vielen organisatorischen Aufgaben belastet. Die sollen jetzt weniger werden.

Das Projekt ist für die nächste Zeit durchgeplant, dennoch gibt es genug offene Räume. Ein Rhythmus von zwei „Open Studios“ und zwei Konzerten pro Woche hat sich für die Mutter von zwei Kindern im Alter von vier und sechs Jahren als positiv erwiesen im Wechsel von Anspannung und Ruhe. Für Freunde der improvisierten und der experimentellen Musik stehen noch spannende Wochen bevor.

Von Werner Fritsch

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