Sommerakademie der Caricatura erinnert an die documenta

„Im Brain bei Nacht“ hat Judith Berens ihre Zeichnung zweier Ziegelsteine genannt. Foto: Caricatura/ nh

Kassel. Vor Aufregung haben die Ziegelsteine ganz rote Näschen. Nachts im Fridericianum wechseln sie heimlich ihre Plätze auf dem Ausstellungspodest im Brain, dem Zentrum der documenta 13. Judith Berens zeichnete diese Szene aus dem verborgenen Nachtleben der Weltkunstausstellung als eine von 13 Teilnehmern der Sommerakademie für komische Kunst der Caricatura, die sich mit der documenta beschäftigt hat.

Unter Anleitung der Cartoonistin Franziska Becker musten verschiedene zeichnerische und thematische Aufgaben gelöst werden - die Ergebnisse sind nun in einer Ausstellung in der Caricatura zu sehen. Etwa die Hälfte der Blätter und Leinwände beschäftigt sich mit der documenta. Dabei fällt der Grad der Auseinandersetzung mit der Ausstellung unterschiedlich intensiv aus. Karin Bohrmann erinnert sorgfältig aquarelliert an die zahlreichen Männer, die sich fachkundig um die Motoren von Thomas Bayrle scharen und stellt das Interesse zwielichtiger Gestalten an Lara Favarettos Schrotthaufen dar.

Pat Meissner nimmt das theoretische Geschwurbel der Schau mit drei gezeichneten leeren Bilderrahmen und einem eng beschriebenen Blatt voll Worthülsen aufs Korn („Höchst subjektive Intention oder Nicht-Intention“). Thilo Kasper sieht aus dem Ausstellungsfußboden gar die Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev wie ein riesiges Gespenst aus Buntstift erscheinen, „Tut so, als wäre ich gar nicht da“, raunt die Kuratorin.

Weitere Werke befassen sich mit dem Ausstellungswesen in allgemeinerer Form - mit dem ewigen Schlangestehen etwa, oder dem wichtigen Getue auf Vernissagen - bei Marc Seefried versammeln sich Fliegen mit wehenden Schals und Rotweinglas um eine Vitrine, in der ein Haufen Exkremente liegt - „Das ist doch Scheiße“, ruft empört ein Insekt aus.

Hübsch sind Ergebnisse von Fingerübungen wie das Zeichnen im Dunkeln - passenderweise sollten so gerade die Tänzer in Tino Seghals dunklem Ballsaal hinter dem Hugenottenhaus dargestellt werden. Auch Cover für einen documenta-Katalog wurden entworfen und Fundstücke aus dem Ausstellungsgelände in Werke integriert - ein Kaffeebecher wird bei Siegfried Böttcher zum Zentrum eines Erdhaufens nach Art von Michael Portnoys Performance-Installation im Kulturbahnhof.

Die Schau wird ergänzt durch Arbeiten, die außerdem bei der Sommerakademie entstanden, etwa Zeichenübungen zum Thema Altersarmut, eine Aufgabe, bei der Briefumschläge gestaltet wurden und witzig veränderte Gemäldeklassiker, wie etwa von Caspar David Friedrich.

Bis 4. November, Caricatura, Kulturbahnhof. Do. und Fr., 14-20 Uhr, Sa. und So., 12-20 Uhr.

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