"Tacatá", "Balada", "Du" - Die Sommerhits 2012

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Hit-Lieferanten dieses Sommers: Das Italo-Trio Tacabro.

Ein Trend dieses Jahres heißt angeblich „Staycation“. Man fährt nicht mehr in Urlaub („vacation“), sondern bleibt zu Hause („stay-at-home“). Vielleicht ist das der Grund, warum es in diesem Jahr keinen klassischen Sommer-Hit gibt.

Früher war es so: Urlauber hörten am Ballermann ein Lied wie Los Ketchups „Ketchup Song“ (2002), brachten ihn dann mit nach Hause, und manchmal wurde der Sommerhit auch noch auf der Wiesn beim Oktoberfest mitgesungen. Diese Saison gibt es vier sehr unterschiedliche Kandidaten.

Tacabro: „Tacatá“

Das Lied des italienischen Dance-Trios gehört noch in die klassische Sommerhit-Kategorie: Es ist leichtfüßig, und die Ohrwurm-Melodie klingt nach Sonne und Strand. Mit dem kubanischen Sänger Martínez Rodríguez fordern uns die DJs auf, mit unseren Müttern und Hintern „Tacatá“ zu tun.

Was genau das bedeutet, lässt sich mit den Spanisch-Kenntnissen aus dem Urlaub nicht herausfinden. Da aber der Rhythmus nach Salsa-trifft-Techno klingt, liegt der Schluss nahe, dass der Hit auf Bewegung abzielt. Und bei der Entschlossenheit, mit der Rodríguez uns sein „Tacatá“ entgegenfeuert, sollte man besser gehorchen.

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Gusttavo Lima: „Balada“

Auch der Brasilianer hat für sein Stück gleich eine Tanzchoreografie entworfen. Den „Tché Tcherere“ hat er unter anderem mit dem Fußball-Star Neymar aufgeführt, dessen Popularität im vorigen Jahr bereits half, „Ai Se Eu Te Pego!“ von Michel Télo zum Hit zu machen. In seiner Heimat ist Lima, der vor allem mit schnulzenhafter Sertaneja-Musik bekannt wurde, ein großer Star: In seinem Geburtsort Olegário haben sie im Mai sogar eine überlebensgroße Statue für den 22-Jährigen aufgestellt.

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Lykke Li: „I Follow Rivers“

Der moderne Sommerhit muss nicht mehr gute Laune machen, sondern kann auch Brüche haben und ein bisschen düster sein - wie das Stück der Schwedin Lykke Li, das allerdings erst zum Hit wurde, nachdem die belgische Band Triggerfinger es gecovert und der DJ The Magician es mit eingängigen Beats unterlegt hatte. Mittlerweile steht das Original auf Platz zwei der deutschen Charts, und die 26 Jahre alte Tochter eines Künstlerpaars trat im ARD-„Morgenmagazin“ auf. Dort sah Li ein bisschen aus wie ein Grufti und ließ Moderator Sven Lorig mit einsilbigen Antworten verzweifeln.

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Cro: „Du“

Sie würde gern ans Me-heer, mal wieder weg von hi-hiier. Den Wunsch der Songtext-Freundin von Pop-Rapper Cro (20) teilt im August wahrscheinlich die Mehrheit der Deutschen. Vielleicht ist der nette Stuttgarter mit der Pandamaske auch deshalb der Durchstarter des Sommers.

Schon im Frühjahr hatte er mit „Easy“ einen vorweggenommenen Sommerhit. Auf seinen Wohlfühl-Song „Du“ können sich Eltern, Kinder, Badegäste und Bademeister einigen, und er passt in die Disco genauso wie ins Bügelzimmer. Der familienfreundliche Musikbär beschwingt immer und stört nie. Und es braucht schon eine Portion sommerliche Glückshormone, um als HipHop getarnte Kitschfloskeln zu überhören wie „Alles Geld der Welt hat plötzlich keinen Wert, wenn du mich ansiehst“.

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Asaf Avidan: „One Day“ (Wankelmut-Remix)

Der Berliner DJ, der eigentlich Philosophie-Student ist, liefert die schönste Geschichte dieses Pop-Sommers. Während eines USA-Trips verliebte sich der 25-Jährige in den „Reckoning Song“, eine Akustik-Nummer der israelischen Rock-Band Asaf Avidan & the Mojos. Zuhause nahm Wankelmut einen House-Remix auf, der millionenfach auf Soundcloud angeklickt wurde und nun ein Nummer-eins-Hit ist.

Das liegt vor allem an Sänger Asaf Avidan, der wie Janis Joplin klingt und singt: „One day baby, we’ll be old / Oh baby, we'll be old and think of all the stories that we could have told.“ Eines Tages werden auch wir alt sein und uns an die Geschichten erinnern, die wir hätten erzählen können. Und wir werden noch einmal den Sommerhit 2012 als wunderbare Ode an die Vergänglichkeit mitsingen.

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Von Matthias Lohr und Saskia Trebing

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