Regisseur J. J. Abrams über seinen Abenteuer-Film und Hilfe von Steven Spielberg

"Super 8" - eine Liebeserklärung an den Amateurfilm  

Im Geist der 70er: Szene aus dem Science-Fiction-Film „Super 8“ von J. J. Abrams mit Joel Courtney als Joe (von links), Elle Fanning als Alice und Ryan Lee als Cary. Foto: dapd

In seinem Film „Super 8“, der diese Woche in die Kinos kommt, reistRegisseur J. J. Abrams in die späten 70er-Jahre, wo eine Gruppe von Jungen beim Drehen ihres eigenen Super-8-Filmes in ein Abenteuer gerät, das weit über ihre sprühende Fantasie hinaus geht.

Herausgekommen isteine Liebeserklärung an den Amateurfilm und eine Hommage an die frühen Filme Steven Spielbergs, der das Projekt produziert hat.

„Super 8“ wirkt für einen Mainstream-Film von heute in seiner Erzählung und visuellen Gestaltung ungeheuer konzentriert. Hat das auch etwas mit der Zeit zu tun, in der die Geschichte spielt?

Jeffrey Jacob Abrams: Es gab Momente am Set, wo ich dachte: „Normalerweise würde ich jetzt noch diese und jene Kamerabewegung einbauen, aber zu der Zeit, in der sich unser Film bewegt, passt eine ruhigere Einstellung einfach besser.“ Wir wollten den Geist dieser Zeit einfangen. Das heißt aber nicht, dass wir den visuellen Stil der 70er nachahmen wollten.

Steven Spielberg hat den Film produziert, einige Szenen in „Super 8“ verneigen sich vor Filmen wie „E.T. - der Außerirdische“. Wie schwer ist die Gratwanderung zwischen Hommage und Kopie?

Abrams: Die Hommage war ein Nebenprodukt. Ich wollte einen Film machen, der neben den alten Spielberg-Filmen bestehen kann. Und ich wollte das Gefühl wiedergeben, das ich habe, wenn ich in meine Kindheit zurückschaue, die von diesem Filmen stark beeinflusst wurde.

Wie stark war Spielberg in das Projekt involviert?

Abrams: Wir haben von Anfang an eng zusammengearbeitet, die Story gemeinsam entwickelt. Er hat das Skript kommentiert, war beim Casting zugegen und während des Drehs standen wir jeden Tag in Kontakt. Auch beim Schnitt war er für einige Zeit dabei. Das war fantastisch. Wie oft hatte ich früher im Schnittraum gedacht: „Was würde Spielberg jetzt wohl an meiner Stelle tun?“ Nun saß er da und gab mir Ratschläge.

Sie hatten in frühester Jugend mit Spielberg zu tun …

Abrams: Ja, wir waren 15 und haben ein Super-8-Filmfestival in L. A. organisiert. Spielberg hat darüber in der Zeitung gelesen, seine Assistentin rief uns an, ob wir interessiert wären, Spielbergs Super-8-Filme zu restaurieren. Natürlich waren seine viel besser als unsere, aber es war sehr anregend für uns zu sehen, dass er auch mal klein angefangen hat.

Gezielte Geheimniskrämerei

Heute drehen Teenager mit dem I-Phone oder dem Camcorder. Das sind technische Möglichkeiten, von denen Sie nur träumen konnten…

Abrams: Ja, da kann man neidisch werden. Die Super-8-Kameras hatten ja nur ein festes Objektiv ohne Zoom. Das Filmmaterial war sehr teuer. Es dauerte eine Ewigkeit, bis die Filme entwickelt waren. Beim Schneiden gab es keine „Rückgängig“-Taste. Aber gerade weil das Material so teuer war, waren wir gezwungen, genau darüber nachzudenken, was wir machen wollten. Vielleicht hat sich das ausgezahlt, weil man gelernt hat, auf Dinge zu achten, die heute oft mit weniger Sorgfalt behandelt werden.

Ihre Werbekampagne für „Super 8“ hat mit gezielter Vorenthaltung gearbeitet. Warum diese Geheimniskrämerei?

Abrams: Wenn man heute einen Trailer anschaut, hat man oft das Gefühl, schon den ganzen Film gesehen zu haben. Dann geht man ins Kino und denkt: „Ja, genau so habe ich mir das vorgestellt.“ Wir leben in einem Zeitalter, in dem alle Informationen jederzeit sofort verfügbar sind. Die Leute sind beleidigt, wenn sie nicht alles wissen können, wann immer sie es wissen wollen. Aber für mich geht es im Kino um die individuelle Erfahrung. Einen Film anzusehen ist ein sinnliches Erlebnis, das sich stark davon unterscheidet zu wissen, worum es im Film geht. Durch das Vorenthalten von Informationen wollten wir den Spaß am Film bewahren.

Von Martin Schwickert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.