Soundchek in der Lutherkirche: Wenn Sänger in Bewegung sind

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Sänger in Bewegung: Der Berliner Kammerchor Tonikum in der Lutherkirche.

Kassel. „Keinen Krieg mehr, habt Erbarmen, meine schönen Augen, meine siegreichen Augen!“ So kriegerisch beginnt ein Madrigal von Claudio Monteverdi. Normalerweise ist ein Chor als unbewegte Gruppe aufgestellt. Bei der „Soundcheck“-Reihe am Sonntag herrschte ein anderes Bild.

Denn beim erwähnten Madrigal standen sich die Sänger paarweise und mit großen Augen gegenüber. Der Berliner Kammerchor Tonikum und seine Leiterin Kerstin Behnke wechselten bei Barockwerken von Monteverdi und Johann Hermann Schein je nach der Aussage der Musik ihre Positionen. Die 17 Sänger agierten in der Mitte der Lutherkirche, während die hundert Zuhörer auf ihren Sitzen den Rahmen bildeten.

Das Bewegungskonzept verdeutlichte den individuellen Klang der einzelnen Stimmen, was als einmaliges Erlebnis seinen Reiz hatte und sich bestens in den experimentierfreudigen „Soundcheck“ fügte. Dennoch bringt die statische Aufstellung eines Chores einen Vorteil für die klangliche Homogenität.

Zu den dargebotenen Stücken zählte Scheins Vertonung einer Bibelstelle, die auch Rembrandt künstlerisch gestaltet hatte – in seinem „Jakobssegen“, einem der bedeutendsten Werke im Museum Schloss Wilhelmshöhe. Spannendes darüber berichtete der Kunsthistoriker Dr. Justus Lange, der Leiter der Gemäldegalerie Alte Meister, in einem Essay, der wie immer beim „Soundcheck“ die Musik ergänzte.

Ein interessantes Detail: 1956 kam es zum sogenannten Kasseler Rahmenstreit, als Arnold Bode den „Jakobssegen“ und andere Gemälde mit modernen Rahmen ausstellen ließ.

Von Georg Pepl

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