Staatsorchester und Patrik Ringborg mit Musik aus dem Norden

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Schwedische Solistin, schwedischer Dirigent: Ingrid Frøseth und Patrik Ringborg im Konzert des Staatsorchesters.

Kassel. „Das Werk, an dem ich arbeite, ist mein eigenes Leben, das gesegnete, das verfluchte: um den Gesang wiederzufinden, den die Seele einst gesungen hat.“ So emotional wie dieses Bekenntnis ist die Musik von Allan Pettersson (1911-1980).

Allein 17 Sinfonien schuf der vor hundert Jahren geborene schwedische Komponist, ein Ausdrucksmusiker, den jeder wissbegierige Klassikhörer kennenlernen sollte.

Gelegenheit dazu bot das Sonntagskonzert im Opernhaus mit einem Rundgang durch die schwedische Musik. Patrik Ringborg, Kassels schwedischer Generalmusikdirektor, und das Staatsorchester machten sich dabei auch für Petterssons „Barfußlieder“ (1943-45) stark. Deren rätselhafter Titel, so lautet eine These, beziehe sich auf den barfuß auf dem Eise stehenden Leierkastenmann aus Schuberts „Winterreise“.

Petterssons Lieder haben einen eingängigen, doch merkwürdig gebrochenen Tonfall, dem man ähnlich wie bei Gustav Mahler nicht ganz trauen kann. Bariton Espen Fegran war ein anrührender Solist. Das Staatsorchester trug in Antal Doratis Orchesterfassung von 1968 eine Fülle an Farben auf bis hin zu volkstümlichem Gefiedel.

Ein eindrucksvoller Programmpunkt zuvor kam aus der barocken Ära - dank der exzellenten Flötistin Judith Hoffmann. Virtuosität und eine beredte Gestaltung des Flötentons gab es in Johan Helmich Romans Konzert G-Dur - und im Finale einen gewitzten Kleindialog mit dem Cembalo spielenden GMD.

Ach, welch Anmut

Delikat auch die im klassischen Stil gehaltenen Musiken von Joseph Martin Kraus. Die schwedische Sopranistin Ingrid Frøseth blieb dem Titel ihrer Arie „Ach, welch Anmut“ fürwahr nichts schuldig.

Wie ein kleines Bruckner-Adagio samt weihevollen Blechbläserklängen mutete ein Stück von Wilhelm Stenhammar an - romantisch, aber typisch für Ringborg feinsinnig, ohne breiten Pinsel dargeboten. Rege Holzbläser und berückende Romanzentöne der Streicher brachte Lars-Erik Larssons Pastoral-Suite op. 19. Schade, dass das Opernhaus mit vergleichsweise wenigen 330 Besuchern besetzt war.

Von Georg Pepl

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