Olha Chipak und Oleksiy Kushnir beim Niestetaler Klavierfestival

Spannender Blick auf Brahms

NIESTETAL. Das Klavierquintett f-moll op. 34, ein Inbegriff der Kammermusik von Johannes Brahms, weist eine geradezu abenteuerliche Entstehung auf. Brahms konzipierte das Stück zunächst als Streichquintett, das er jedoch nach harscher Kritik seiner Freunde Joseph Joachim und Clara Schumann vernichtete. Später arbeitete er es zu einer Sonate für zwei Klaviere um, erst in einem weiteren Schritt entstand die vertraute Fassung für Klavier und vier Streicher.

Gleichwohl ist die Version für zwei Klaviere vollgültig. Auf großartige Weise war sie nun beim Niestestaler Klavierfestival zu hören. Pianistin Olha Chipak und Pianist Oleksiy Kushnir, zwei aus der Ukraine stammende Musiker, die in Rostock lehren, sind wunderbare Brahms-Experten. Über ihre im Frühjahr erschienene Brahms-CD meinte die Süddeutsche Zeitung: „Vor allem spielen sie so frei und individuell, wie man es bei den immer auf perfekte Abstimmung getrimmten Klavierduos nie hört. Trotzdem klingen Chipak und Kushnir wie ein einziger großer Flügel.“

Einen faszinierenden Blick auf Brahms boten sie im voll besetzten evangelischen Gemeindehaus Sandershausen. Noch stärker als in der Quintett-Fassung wurden die rhythmischen Kniffligkeiten deutlich, die Synkopen sowie die Konflikt-Rhythmen, bei denen etwa Triolen auf gerade Achtelnoten stoßen.

Bravourstück

Als Zugabe nach diesem fordernden Musikgenuss erklang als Bravourstück für Klavier zu vier Händen Mendelssohns Allegro brillant op. 92.

Auch im ersten Konzertteil hatten Chipak und Kushnir Werke für Klavier zu vier Händen gespielt: Arrangements von Stücken Mozarts und Mendelssohns, denen sie eine spritzige Leichtigkeit gaben, und die gewichtigen Brahms-Variationen op. 23. Man staunte erneut, dass in Sandershausen Künstler solchen Kalibers bei freiem Eintritt zu erleben sind.

Von Georg Pepl

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