Spaß mit Marco Polo: Eva Mattes und die lautten compagney Berlin beim Kultursommer

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Auf Marco Polos Spuren: Schauspielerin Eva Mattes und Musiker Wu Wei in Kassel.

Kassel. In einer Stadt in Asien überlassen die Männer den Gästen ihre Frau, wofür der Fremde mit dem Aufhängen eines Seidentüchleins dankt. Beim Groß-Khan schweben die gefüllten Gefäße zu den Lippen der Durstigen.

In der bitterkalten Mongolei gefriert einer Frau beim Wasserlassen das Schenkelhaar an einem Grashalm.

Von der „lautten compagney Berlin“ begleitet, las die Schauspielerin Eva Mattes am Samstag im Rahmen des Kultursommers Nordhessen in der ausverkauften Kasseler Reithalle am Marstall elf Passagen der aberwitzigen Fassung des Berliner Christian Filips über „Die Reisen des Marco Polo oder Nichts über China“

Der 34-jährige Dichter, Performer, Regisseur fabuliert frech wie Münchhausen, collagiert seinen verwegenen, lustigen Text über den venezianischen Kaufmann mit dem Chinesischen Couplet von Karl Valentin. „Ziggi zam ziggi Tschin Tschin wuggi gu“ hieß es plötzlich. Eva Mattes und die sieben Barockmusiker schnalzten, schmatzten, gurrten, „da legst di nieder, plim, plam, plum“.

Da im Programm nicht erwähnt war, dass nicht der Originaltext von Marco Polo, vielmehr eine Adaption auf die Bühne kam, schien das Publikum verunsichert, lachte gar nicht über die so herrlich verrückten Zeilen des Münchner Komikers. „Tschintschinati wuschi wuschi tam tam tam.“ Wäre die Barockmusik nicht so glanzvoll gewesen, hätten manche Zuschauer sicherlich die Reithalle verlassen. Sind Geschichten über Menschen fressende Schlangen mit zwei Füßen mit Faltenkrallen am Kopf nicht eher etwas für Kinder?

Das renommierte Ensemble mit dem tollen Flötisten Martin Ripper und dem großartigen Wu Wei an der chinesischen Mundorgel führte mit Kompositionen italienischer Meister wie Pierre Phalèse, Guilio Caccini, Salomone Rossi, Claudio Monteverdi sowie mit chinesischen Improvisationen in die Weite Russlands und Chinas.

Die Klänge erzählten von Wanderungen in der Einsamkeit, müdem Traben der Pferde, vergnügtem Galopp. Dann gab es feierliche Momente, Litaneien wie in der Kirche. Das Ensemble malte mit Perfektion die musikalischen Bilder der Reise. Im Mittelpunkt stand Wu Wei mit der vier Kilo schweren Sheng, einem 6000 Jahre alten Instrument, das ein bisschen wie ein Akkordeon klingt, wie ein Synthesizer alle möglichen Klangfarben produziert. Star des grandiosen, ungewöhnlichen Abends war der Chinese Wu Wei. Langer, jubelnder Applaus für das Ensemble und Eva Mattes.

Es spielten weiterhin im Ensemble: Catherine Aglibut (Violine), Annette Rheinfurth (Violone), Peter A. Bauer (Percussion), Hans Werner Apel (Laute), Andreas Nachtsheim (Laute).

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