Neu im Kino: Fatih Akin hat mit „Soul Kitchen“ eine komische Liebeserklärung an Hamburg gedreht

Spaß ist wichtiger als Gewinn

Ihnen schmecken auch Fischstäbchen: Sokrates (Demir Gökgöl, von links), Lucia (Anna Bederke), Illias (Moritz Bleibtreu), Zinos (Adam Bousdoukos), Nadine (Pheline Roggan), Lutz (Lucas Gregorowicz) und Shayn (Birol Ünel) in Fatih Akins Komödie „Soul Kitchen“ Foto: Pandora

Nach seinen mehrfach preisgekrönten Dramen „Gegen die Wand“ und „Auf der anderen Seite“ lässt es Fatih Akin in seinem neuen Film etwas komischer angehen. „Soul Kitchen“ erzählt von dem deutsch-griechischen Kneipenbesitzer Zinos (Adam Bousdoukos), der in Hamburg-Wilhelmsburg ein Restaurant betreibt, das nicht gerade durch seine kulinarische Küche überzeugt. Die meisten Menüs wandern direkt aus der Tiefkühltruhe in die Friteuse, aber der Kundschaft im rauen, aber ehrlichen Kiez schmeckt es.

Schon bald überschlagen sich die Ereignisse: Zinos Freundin Nadine (Pheline Roggan) geht als Auslandskorrespondentin nach Schanghai, das Finanzamt droht mit Pfändung, die Gewerbeaufsicht mit der Schließung der ranzigen Küche, und dann soll Zinos auch noch seinen Bruder Illias (Moritz Bleibtreu) anheuern, damit der als Freigänger in den offenen Haftvollzug kommt.

Beim Abschiedsessen mit Nadine in einem Hamburger Nobelrestaurant lernt Zinos den exzentrischen Koch Shayn (Birol Ünel) kennen, der sich lieber kündigen lässt, als den Gazpacho auf Wunsch des arroganten Gastes in der Mikrowelle aufzuwärmen. Shayn ist ein Meister seines Faches, der aus ein, zwei Fischstäbchen, einer Hand voll Kräuter und ein paar Pommes ein Drei-Sterne-Gericht zaubern kann. Als er im „Soul Kitchen“ anfängt, entwickelt sich die Kneipe in der alten Industriehalle mit gutem Essen, Live-Musik und DJ zum beliebten Szenetreff.

Aber eigentlich geht es in Fatih Akins weniger ums Essen. Dies ist kein Gourmet-Film, das die Nahrungsaufnahme als sinnliches Erlebnis zelebriert. „Soul Kitchen“ feiert vielmehr ein Lebensgefühl, das den Spaß an den eigenen Vorstellungen über die Vernunft des Gewinnstrebens setzt. Akin hat seinen schmutzigen Hamburger Heimatfilm bewusst an Orten gedreht, die bald der Abrissbirne der Modernisierer zum Opfer fallen.

Und so mischt sich in die Komödie, die Klamauk, Liebeskummer, Bruderzwist, Partystimmung und den Bandscheibenvorfall seines geplagten Helden zu einem lebenslustigen Chaos verrührt, auch ein wenig Melancholie, mit der Akin Abschied von der eigenen, wilden Jugend nimmt.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab zwölf

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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