Spaßiger Weltuntergang: K.I.Z. begeistern in der Kasseler Eissporthalle 

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Starke Show in der Kasseler Eissporthalle: Die Berliner Band K.I.Z., hier Sänger Nico Seyfrid.

Kassel. Die Mischung aus banalen und sehr überspitzten Botschaften liegt K.I.Z. – dies wird im Laufe des Konzerts am Samstag in der ausverkauften Kasseler Eissporthalle deutlich.

Urlaub fürs Gehirn. Der Song, mit dem K.I.Z. ihren Auftritt in der ausverkauften Eissporthalle in Kassel beginnen, trifft den Abend gleichzeitig passend und unpassend. Denn selbst in diesem Lied werden die Gegensätze bei K.I.Z. deutlich. So ist der Song „Mucke zum Staubsaugen“, aber gleichzeitig schleicht man sich bei den Sarrazins ein, wo um acht Uhr noch alle schlafen. Die Mischung aus banalen und sehr überspitzten Botschaften liegt K.I.Z. – dies wird im Laufe des Konzerts deutlich.

K.I.Z., dass sind Tarek Ebéné, Maxim Drüner, Nico Seyfrid und Sil-Yan Bori (besser als DJ Craft bekannt). Das Berliner Quartett erfüllt die Klischees des HipHops nur bedingt. Die Texte sind sexistisch, provokant und mit Beleidigungen gefüllt – allerdings mit einer ordentliche Prise Zynismus, schwarzem Humor und Selbstironie. Oft behandeln die Texte Themen aus Politik und Gesellschaft – aber auch Starallüren. Und das sehr kritisch. Selbst der Name der Band wird verballhornt. Mal sind sie Kannibalen in Zivil, Künstler in Zwangsjacken oder Kapitalismus ist Zauberhaft – eben K.I.Z.

Die Stimmung in der Eissporthalle war entsprechend ausgelassen. Die vier Jungs pöbeln das Publikum an: „In Göttingen war die Stimmung besser.“ Auch Sätze wie „Kassel ist der Bodensatz Deutschlands“, oder dass „90 Prozent der Bevölkerung in der Kanalisation leben“, machen die Stimmung nur besser. Alles mit dem nötigen Augenzwinkern, versteht sich. Auch die Bühnenshow passt herrlich ins Bild. Die vier Protagonisten als Statuen, in der Mitte ein Panzer, im Hintergrund die untergegangene Welt. Passend zu dem Titel der Tour „Hurra die Welt geht immer noch unter“. Uniformierte schießen mit Kanonen Luftschlangen ins Publikum.

Das Herzstück des Auftritts ist der Song „Wir“. An Seilen von der Decke hängend erklären Tarek, Maxim und Nico, was ihre Fans schon längst wissen: Sie sind Götter. Und sprechen zu den Sterblichen herab. Und im Chor fordern die Jünger, dass K.I.Z. sie mit auf ihr Raumschiff nimmt.

Am Ende des Konzerts werden dann die Jünger zu einer Mischung aus einem der erfolgreichsten Songs von K.I.Z. namens „Hurensohn“ zusammen mit der Musik von „We are the World“ eingeschworen. Nach dem „wichtigsten Tag eures Lebens“ entlassen die Götter dann ihre Jünger. Und in der Nachtluft der schlimmsten Stadt Deutschlands hört man dann deren Botschaft. Währenddessen sind K.I.Z. in ihrem Raumschiff bereits auf dem Weg zu den nächsten bedürftigen Jüngern.

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