Frankreich verehrt die Sängerin Zaz als neue Edith Piaf

Der Spatz mag es laut

Erfolg mit Chansons, Punk-Outfit und Konsumkritik: Sängerin Isabelle Geoffroy alias Zaz (30). Foto: Sony

Paris. Man könnte sie die neue Edith Piaf nennen – der kraftvoll tönenden, sich überschlagenden und plötzlich brüchig abgleitenden Stimme wegen. Zumal sie ebenso spatzenhaft klein und drollig wirkt wie die Piaf. Am besten nennt man Isabelle Geoffroy jedoch nach dem Künstlernamen, den sie sich gegeben hat: Zaz. Als solche ist sie zu Frankreichs neuem Singwunder geworden.

Was soll sie mit einer Hotelsuite im Ritz oder einer schicken Limousine, fragt die 30-Jährige in ihrem Hit „Je veux“, „Ich will“: „Ich will Liebe, Freude, gute Laune, nicht euer Geld macht mich glücklich.“ Sie ist laut und direkt, kleidet sich im rotzigen Punk-Stil und schert sich nicht um gute Manieren: Ihre Mischung aus individualistischem Freiheitsstreben und rebellischer Konsumkritik hat einen Nerv getroffen. Und zwar längst nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa.

Ihre Biografie liest sich wie ein romantisches Märchen: Aufgetaucht aus dem Nichts und nur mit einem starken Willen und einem mächtigen Stimmorgan ausgestattet, wurde sie quasi über Nacht zum Star. Das erinnert dann doch unvermittelt an Edith Piaf. Doch Zaz kommt nicht aus der Gosse, hat eine klassische Musikausbildung und ist kein Spatz von Paris, sondern stammt aus Tours.

Früh lernte die Tochter einer Lehrerin und eines Beamten Klavier, Geige, Gitarre und Gesang. Als Musikstudentin in Bordeaux trat sie einer Bluesband bei, tourte mit einem baskischen Tanzorchester und später mit der Latino-Rock-Gruppe Don Diego. Fortan hieß sie Zaz – weil sie alle Musikrichtungen von A bis Z bedient.

Ein Spatz von Paris wurde sie 2006, wo sie in Piano-Bars und Varietés sang. Zum entscheidenden Karriere-Motor wurde 2009 ihr Sieg bei einem Talentwettbewerb, durch den sie ihr erstes Album „Zaz“ aufnehmen konnte, in dem sie ihre Einflüsse sammelte: Pop, Gipsy und Jazz, kubanische und Afro-Klänge und Chansons, bei denen Edith Piaf und Charles Aznavour durchklingen.

Ihr Debüt erreichte in vielen Ländern Top-Platzierungen, und in Frankreich wurde „Je veux“ zum Song des Jahres gewählt. Zaz ist nun ein Star, der sich bald auch dicke Limousinen leisten könnte. Doch dazu wird es nicht kommen, wenn sie ihr Versprechen hält: „Was ich singe, bin ich.“

Das Debütalbum „Zaz“ ist bei Sony erschienen.

Von Birgit Holzer

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