Interview mit Sänger Norbert Rier

Mit den Spatzen „ein bissel heile Welt schaffen“

Sänger Norbert Rier erklärt im Interview, wie die Kastelruther Spatzen mit ihrer Musik Mut machen wollen. Im März kommt die Gruppe zum Auftritt nach Kassel.

Mit ihrem neuen Album „Die Sonne scheint für alle“ segeln die Kastelruther Spatzen wieder auf einer Erfolgswelle. Daneben sind Sänger Norbert Rier und seine sechs Bandkollegen bis ins kommende Jahr hinein in vielen Städten auf Tournee. Wir sprachen mit dem Spatzen-Sänger darüber, was die Südtiroler Musiker den Menschen geben.

Herr Rier, Ihr 37. Album hat den Titel „Die Sonne scheint für alle“. Welche Idee verbinden Sie damit? 

Norbert Rier: Die Leitidee ist, dass wir mit unseren Liedern den Leuten etwas Positives rüberbringen wollen. Wir wollen sie ein bissel wegholen vom Alltagsstress, den Sorgen und der ganzen Hektik.

Der Titelsong beginnt mit den Versen „Es gibt so manchen Tag, den möcht’ man nicht erleben“ ... 

Rier: Genau!

Welchen Anteil hat der Trost, den sie Menschen spenden? 

Rier: Einen großen. Wir wollen den Leuten mit unserer Musik Mut geben. Es läuft ja oft nicht alles so, wie man sich das wünscht, und da geht es einfach darum, auch das Positive zu sehen, sodass das am Ende irgendwie überwiegt.

Gibt es ein spezielles Publikum, das Sie erreichen wollen? Ein Songtitel lautet „Immer trifft es nur den kleinen Mann“. Ein Millionär wird sich davon eher nicht angesprochen fühlen. 

Rier: Ja, natürlich. Unser Publikum ist auch das ganz normale Volk, der normale Bürger. Da sind alle Altersschichten dabei, von jung bis ganz alt. Natürlich hört man immer von den Ungerechtigkeiten, die es es überall gibt, wo einige immer mehr bekommen und andere auf der Strecke bleiben. Und mit unserem Lied sprechen wir sicher viele Leute an, die sich in diese Situation hineinversetzen können.

Ein anderes Lied hat den Titel „Das können nur die Frauen“. Was können nur die Frauen? 

Rier: Kinder kriegen! (lacht) Das können wirklich nur die Frauen. Im Beruf sind die Frauen ja den Männern ziemlich gleichgestellt. Grundsätzlich geht es mir darum, eine harmonische Familie zu haben, wo die Rolle der Mutter sehr wichtig ist. Die starke Persönlichkeit im Hintergrund ist im Endeffekt fast immer die Frau.

Wie wichtig ist für Sie, dass man bei Ihrer Musik eine schöne Bergwelt vor Augen hat? 

Rier: Ja, die Berge spielen natürlich eine wichtige Rolle. Wir leben ja inmitten der Dolomiten, einem Unesco-Weltkulturerbe. Die Berge haben für mich immer mit Heimatverbundenheit zu tun. Wir können nicht dankbar genug sein, dass wir in dieser wunderschönen Gegend aufwachsen durften.

Auf besonderen Wunsch haben Sie als Schlusslied „Die Rose von Südtirol“ aufgenommen. Wer hat sich das gewünscht? 

Rier: Natürlich unsere Fans. Das ist ein Lied aus früheren Jahren von einer Gruppe, die es nicht mehr gibt, den Alpenfrieden Buam. Das wird immer wieder gewünscht, wir haben es jetzt auf unsere Art mit Bläsern aufgenommen. Ich glaube, das ist ganz gut gelungen.

Im Moment herrscht in der Gesellschaft eine Menge Unruhe, oft auch eine aggressive Stimmung, besonders die Flüchtlingsfrage polarisiert. Bekommen Sie davon in Ihren Konzerten etwas mit? 

Rier: Ja, man merkt schon, die Leute sind zum Teil nervös, aber in solchen Situationen hilft es auch, wenn man mit der Musik etwas abschalten kann. Wir versuchen bei den Auftritten, ein bissel eine heile Welt zu schaffen, auch mit schönen Bildern. In dieser schnelllebigen Zeit wird über das Internet auch Angst und Hektik verbreitet, und gerade da ist es wichtig, eine Musik zu präsentieren, bei der man sich etwas erholen kann.

Greifen Sie das auch in Ihrer Moderation auf? 

Rier: Ja, immer wieder. Ich sage zu Beginn des Konzerts, die Leute sollen sich zurücklehnen, abschalten und einfach wieder Kraft tanken.

Die Kastelruther Spatzen haben einen besonderen Bläsersound, den man sofort erkennt. Wie würden Sie den beschreiben? 

Rier: Ja, es ist gut, dass es diesen Wiedererkennungswert gibt. Die Komponisten, die für uns schreiben, kennen unseren Klang und schreiben ihre Arrangements in dieser Form. Bei unseren Auftritten legen wird großen Wert darauf, dass alles live gespielt wird und der Klang technisch perfekt ist.

Sie machen auf Ihrer Tour am 21. März 2017 in Kassel Station. Was werden Sie präsentieren? Die Lieder Ihrer aktuellen CD? 

Rier: Natürlich. Aber es ist auch ganz wichtig, ältere Lieder mit im Programm zu haben, die die Leute über Jahre hinweg kennen, die sie von uns erwarten und wo sie mitsingen können wie zum, Beispiel „Ich schwör“ oder „Ein Leben lang“. Wir hoffen, dass auch für jeden ein persönliches Lieblingslied dabei ist.

• Album: Kastelruther Spatzen: Die Sonne scheint für alle (Elektrola/Universal).

• Konzert: Dienstag, 21.3.2017. Stadthalle Kassel. Karten: Tel. 0561 / 203 204.

Zur Person 

Norbert Rier

Norbert Rier ist Sänger und Frontmann der Kastelruther Spatzen. Der 56-Jährige, der in dem Südtiroler Ort aufwuchs und noch immer dort lebt, ist im Hauptberuf Landwirt und betreibt eine Haflingerzucht. Rier ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Einem breiten Publikum bekannt wurden die bereits 1975 gegründeten Kastelruther Spatzen Anfang der 1990er-Jahre. Seitdem landeten die Stars des volkstümlichen Schlagers einen Hit nach dem anderen. Die sieben Musiker sind die einzigen Interpreten, die den Musikpreis Echo schon dreizehn Mal entgegennehmen konnten. Vor Kurzem erschien ihr 37. Album mit dem Titel „Die Sonne scheint für alle“.

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