Die norwegische Band Mount Washington

Sphärische Melancholie

Kassel. Von einer kleinen Stadt in Nord-Norwegen zog es die Musiker der Band Washington 2010 in die laute Metropole Berlin. Offensichtlich empfanden die Musiker das als Aufstieg, denn seitdem nennen sie sich Mount Washington – ein Name, der auch den höchsten Berg im Nordosten der USA schmückt. Als Höhenflug kann man die CD gleichen Namens jedoch nur eingeschränkt bezeichnen.

Einige Stücke, zum Beispiel „Lisboa“, gehen wunderbar ins Ohr, in der Summe jedoch bietet das Album durchgängig sphärischen Herzschmerz, dem die Überraschungsmomente, die Differenzierungen und Stimmungswechsel fehlen. Am Freitag stellte sich die Formation im gut gefüllten Kulturzentrum Schlachthof vor. Die Musik lässt sich wohl am leichtesten in die Kategorie Indie-Pop schieben. An Coldplay oder die Synthie-Popper von Talk Talk fühlte man sich bisweilen vage erinnert. Ein Vergleich, der den Norwegern schmeichelt, denn Vielfalt hört sich anders an.

Daran ändert auch Rune Simonsens schöne Gesangsstimme nichts: zu viel Hall, die Gesangslinien beständig wie Kaugummi in die Länge gezogen, jedes Stück von fast depressiver Färbung. Da auch Schlagzeuger Esko Pedersen und Bassist Andreas Hoyer ihre Spielmuster nach Fließbandschema in die Synthesizer-Teppiche von Andy Sukanowitsch verweben, fehlt den Gesangslinien das belebende Gegenstück. Fazit: Die melancholischen Gesangslinien, der schwebende Sound, der puristisch gesetzte Rhythmus – all das spricht ein ganzes Konzert nur die Fans an. Viel Applaus von dieser Fraktion.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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