Bayreuth: Positive Bilanz für Festspielleiterin Katharina Wagner 

Aufführung mit starkem Profil: Arian Eröd (Beckmesser, von links), Burckhard Fritz (Stolzing), Michaela Kaune (Eva, hinten) und das Ensemble im Bühnenbild der „Meistersinger von Nürnberg“. Foto: Nawroth/ nh

Bayreuth. Nach Sebastian Baumgartens geflopptem „Tannhäuser“ richtet sich der Blick bei den Bayreuther Festspielen nun auf die bewährten Produktionen im Programm. Bei den von Festspielleiterin Katharina Wagner (33) inszenierten „Meistersingern von Nürnberg“, die zum fünften und letzten Mal gespielt werden, geht es sogar um eine Schlussbilanz.

Und die fällt ungeachtet des erneuten Buh-Konzerts für die Regisseurin positiv aus.

Selten trifft das Schlagwort von der „Werkstatt Bayreuth“, der ständigen Weiterentwicklung von Inszenierungen, so zu wie bei diesen „Meistersingern“. Katharina Wagner hat so lange daran gefeilt und szenische Sachverhalte geklärt, bis die Inszenierung ihr starkes Profil zeigte.

Die Ironie dabei: Ausgerechnet die unverdrossen buhende konservative Bayreuth-Klientel geht der Regisseurin mit ihrer Reaktion auf den Leim. Denn im Schlussbild (Bühne: Tilo Steffens) ist es das gespiegelte Bayreuth-Publikum, das den Kunstkitsch Stolzings feiert und die provokative Kunstaktion Beckmessers ablehnt.

Was in die Inszenierungsgeschichte der „Meistersinger“ eingehen wird, ist die bestürzende Wandlung des Hans Sachs vom progressiven Kunsterneuerer zum Anpassung fordernden Kunstspießer – und mit ihm die Entwicklung Walther von Stolzings vom Kunstrevoluzzer zum marktkonformen Kitschproduzenten.

Dass Katharina Wagner dafür dem Text stellenweise Gewalt antut – geschenkt. Tatsächlich verwandelt die Gewalt der Prügelszene am Ende des zweiten Aufzugs die Protagonisten: Sie macht Beckmesser zum künstlerischen Outlaw und Sachs zum Konservativen. Ein Gespensterreigen von Pappmachéköpfen deutscher Geistesgrößen öffnet zusätzlich den Blick auf deutsche Geschichte und Befindlichkeit.

Licht und Schatten

Musikalisch wechseln Licht und Schatten: Ein Glücksfall ist der stimmgewaltige James Rutherford als Hans Sachs, der schon 2010 den überforderten Franz Hawlata ablöste. Michaela Kaune fand als Eva dagegen nie eine stimmliche Linie, ebenso wenig Norbert Ernst als David. Eine Enttäuschung ist Burkhard Fritz als neuer Stolzing. Er stemmt die Partie gerade so eben, ohne Glanz zu verbreiten. Doch sein Vorgänger, Klaus Florian Vogt, wurde als neuer Lohengrin für den ausgeschiedenen Jonas Kaufmann dringender gebraucht.

Dirigent Sebastian Weigle versucht fast demonstrativ, vieles richtig zu machen, findet aber zu keinem verbindlichen „Meistersinger“-Ton. Hier könnte eine künftige Produktion von Wagners Riesenkomödie ansetzen.

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