Heinrichsmeyer zeigt Performance in Caricatura

Spiel mit der Angst

Angst: Rebekka Heinrichsmeyer kennt das Gefühl. Foto: Müller

Kassel. Rebekka Heinrichsmeyer hat Angst. Ihre Hände glühen, sind feucht. Sie spricht schnell und eilt von der Bar zur Bühne und wieder zurück. Angst ist unangenehm, aber ihr wird sie heute helfen. Die 33-Jährige ist Studentin der bildenden Kunst an der Kasseler Kunsthochschule. In einer Stunde beginnt ihre praktische Examensprüfung in der Caricatura. Das Thema: Performance der Angst.

„Körper und Geist gehören zusammen und wenn wir uns von Angst leiten lassen, wird auch unser Körper gehemmt. Wir trauen uns nichts mehr“, sagt Heinrichsmeyer. Vielmehr solle man Angst als Hilfsmittel begreifen. „Wir lernen durch Angst, etwa wenn wir eine heiße Herdplatte anfassen.“ Die ersten Gäste treffen ein. Heinrichsmeyers Nervosität steigt. Eigentlich möge sie Performances nicht besonders, sagt sie. „Ich stehe nicht so gern im Mittelpunkt.“ Warum dann eine Performance als Abschlussprüfung? „Es ist die Herausforderung. Man muss im Leben auch schwierige Sachen machen.“

Sie schnallt sich ein Mikrofon am Kopf fest. Ihre Prüfer, die Professoren Urs Lüthi und Rolf Lobeck, die im Anschluss die Performance in einem Gespräch mit der Studentin auswerten werden, sind eingetroffen. „Meine größte Angst ist die vor Prüfungen. Aber je öfter ich mich ihr stelle, desto ruhiger werde ich.“

Es ist dunkel. Nur ein angestrahlter Stuhl steht auf der Bühne. Das Publikum sieht nach vorn, doch Heinrichsmeyer führt es auf eine falsche Fährte. Sie nutzt die Bühne nicht, geht stattdessen durch die Reihen. Sie wimmert, zittert. Dann schlägt sie die Hände über dem Kopf zusammen, wird panisch, weint. Sie kauert in einer Ecke, stöhnt – und verschwindet dann.

Nur wenige Minuten hat dieser Angstzustand gedauert und dürfte bei dem einen oder anderen Zuschauer eines hinterlassen haben: Die Furcht, diese Performance missverstanden zu haben. (ale)

Von Alexandra Müller

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.