Die Bremer Weserburg zeigt Jackson Pollock, Andy Warhol und Ai Weiwei

Spiel mit Farbe und Urin

Weist auf Umweltverschmutzung hin: Der Künstler Nicolás Uriburu färbte 1968 den Canal Grande in Venedig mit ungiftiger Farbe. Die Weserburg zeigt diese Aufnahme von der Aktion. Foto: nh

Bremen. Farbe, die aus Wänden zu spritzen scheint, aus der Skulpturen entstehen, oder die durch Urinieren oxidiert ist: Mit Farbe als Arbeitsgrundlage in nahezu allen physikalischen und chemischen Eigenschaften befasst sich die Ausstellung „Farbe im Fluss“ in der Bremer Weserburg. Eindrucksvolle Werke von 54 Künstlern spiegeln in dem fünfstöckigen Gebäude auf einer Weserinsel den Umgang mit frei fließender Farbe seit Jackson Pollock wider.

Der Amerikaner Pollock legte Ende der 1940er-Jahre eine Leinwand auf den Boden seines Ateliers und begann, sie von oben herab mit Farbe zu bearbeiten. Seine Technik wurde als „Action Painting“ bekannt und inspirierte ganze Künstlergenerationen – auch Pop-Art-Maler Andy Warhol. Als Persiflage auf Pollock bepinkelte er mit Metallfarbe bestrichene Platten, „Oxidation Paintings“, für die er auch Mitarbeiter und Atelierbesucher um Mithilfe bat.

Faszinierend die Installation „Kalter Fluss“ von Karl Horst Hödicke, die in ähnlicher Form 1999 im Kasseler Fridericianum zu sehen war. An der Decke ist eine Tonne befestigt, aus der zähflüssiges, tiefschwarz-glänzendes Material zu Boden fließt. Das Baumaterial ist ständig im Fluss – allerdings so langsam, dass dies für den Betrachter nicht erkennbar wird. Die Installation spielt mit den Gesetzen der Schwerkraft und Materialdichte, die schwarze Masse sammelt sich in Schlangenlinien auf dem Boden.

Wellen auf Würfel

Mit Bildern, die zugleich Skulpturen sind, verblüfft Christian Stock. Auf quadratische Leinwände trägt er Acrylfarbe in Schichten auf – über Jahre hinweg. Die dabei entstehende wellenartige Struktur am Rande der Würfel wirkt wie ein Querschnitt durch Gesteinsschichten.

Francis Alÿs, ein belgischer Aktionskünstler, verknüpft Farbe mit Politik: Die Waffenstillstandslinie zwischen Israel und den arabischen Nachbarn wird Grüne Linie genannt. Alÿs ließ sich 2004 dabei filmen, wie er mit einer löchrigen Dose seine eigene grüne Grenze durch Jerusalem zog – skeptisch beäugt von bewaffneten Soldaten.

Auch das Exponat des documenta-Künstlers Ai Weiwei ist als politisches Statement zu verstehen: Oil Spills, schwarze Ölflecken aus Porzellan, breiten sich auf dem Fußboden aus. Flankiert von einem großformatigen Abzug des Fotokünstlers Thomas Ruff entstehen Farbreflexe, die an Ölflecken im Wasser und die damit verbundenen Umweltkatastrophen erinnern. Bis 29. Januar, Teerhof 20, Kontakt: 0421/ 5983970.

Von Sonja Broy

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