Neu im Kino: „Silver Linings“ lebt von labilen Charakteren

Spiel der Neurosen

Zwei mit Psychiatrie-Erfahrung: Tiffany (Jennifer Lawrence) und Pat (Bradley Cooper). Foto: dpa

Mir geht es jetzt besser“, sagt Pat (Bradley Cooper) zu allen, die es nicht glauben wollen. Aber wer sich ihn anschaut, merkt schnell, dass in Pats Fall „besser“ längst nicht gut genug ist. Als er seine Frau mit einem anderen unter der Dusche erwischte, ist Pat durchgedreht und wurde nach einer Klage wegen Körperverletzung in die Psychiatrie eingewiesen.

Jetzt ist er wieder draußen, darf sich Frau und Haus nicht nähern und zieht zurück ins elterliche Heim. Mutter Dolores (Jacki Weaver) behandelt ihn wie eine tickende Zeitbombe, und auch Vater Pat (Robert De Niro) tut sich schwer, gerade weil er in den Problemen des Sohnes auch sein eigenes Verhalten gespiegelt sieht. Dennoch beginnt Pat Jr. obsessiv an seinem Krisen-Happy-End und der Versöhnung mit der ehemaligen Ehefrau zu arbeiten. Bei einem arrangierten Dinner mit Freunden trifft er auf Tiffany (Jennifer Lawrence), die ebenfalls eine bewegte Psychiatrie-Vergangenheit vorzuweisen hat. Das Abendessen endet zwar im Eklat, aber danach lauert Tiffany Pat regelmäßig bei seinen täglichen Jogging-Runden auf.

Mit „Silver Linings“ entwirft David O. Russel („Three Kings“, „The Fighter“) eine romantische Komödie um zwei psychisch labile Charaktere, in der das streng reglementierte Genre gründlich durchgeschüttelt wird. Wie Flipperkugeln schießen die beiden unberechenbaren Figuren umher, und ein Großteil des Vergnügens besteht darin, eine humorvolle Vertrautheit mit ihren Macken und Neurosen zu entwickeln.

Das Konzept könnte trotz hervorragender Drehbuchdialoge ohne eine stimmige Besetzung nicht funktionieren. Aber auch hier hat Russell alles richtig gemacht: Bradley Cooper zeigt nach seinen Auftritten in „Hangover“, dass er auch etwas von komödiantischer Feineinstellung versteht. Aber der eigentliche Schatz des Filmes ist Jennifer Lawrence („Winter’s Bone“/„Tribute von Panem“), die die manische Energie ihrer Figur voll zur Geltung bringt, ohne deren Zerbrechlichkeit zu verbergen. Ihr Kraftfeld vergoldet „Silver Linings“ zu einer der originellsten romantischen Komödien der letzten Jahre.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!!

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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