Spiel wie im Rausch:

Machten ihrem Namensgeber Ehre: Mitglieder des Kammerorchesters Louis Spohr. Foto: privat/nh

Kassel. In diesem Jahr hat Louis Spohr einen Ehrenplatz bei den Kasseler Musiktagen. So durfte das nach ihm benannte Kasseler Kammerorchester Louis Spohr nicht fehlen, das am Donnerstagabend in der Kirche Kirchditmold ein Konzert gab.

Vor Spohr aber gab es Mendelssohn. Das Oktett für Streicher op. 20 des Teenagers Felix war in seiner frühreifen Genialität damals unerklärlich und ist es heute immer noch. Für die acht Solisten des Kammerorchesters ist es eins der Leib- und-Magen-Stücke. Katalin Hercegh, die Primadonna der Violine, machte von Anfang an ordentlich Tempo, brachte den ersten Satz zum Vibrieren und zog die sieben Mitstreiter mit in einen Rausch, der erst nach dem Finale endete.

Zeitweise, besonders im zweiten Satz, konnte man sich in ein Violinkonzert versetzt fühlen. Eine dynamische und musikalische Meisterleistung, besonders der Höllenritt des Prestos am Schluss.

Louis Spohrs Doppelquartett e-Moll op. 87 ist weniger eingängig. Das nach der Pause auf 13 Mitglieder erweiterte Ensemble führte dieses Stück erstmals in einer Bearbeitung für Streichorchester auf. Aus den zwei einander gegenübergestellten Streichquartetten ist nun so etwas wie ein Konzert für Streichquartett (Katalin Hercegh, Josephine Nobach, Joachim Schwarz, Wolfram Geiss) und Orchester geworden. Der ursprünglichen originellen Idee Spohr läuft das eigentlich zuwider, weil die beiden Seiten nun nicht mehr gleichberechtigt sind.

Lässt man dies außer Acht, hörten die gut 300 begeisterten Zuhörer ein munteres Spiel, das sich langsam von den trüben Perspektiven des eröffnenden Allegros zum aufgeklarten Finale vorarbeitet. Wie so oft bei Spohr stecken auch in diesem Werk viele vertrackte Schwierigkeiten, doch die Musiker des Kammerorchesters machten ihrem Namenspatron alle Ehre und erreichten ein sehr gutes Ensemblespiel.

Von Johannes Mundry

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