Fotos von Anja Köhne im Kasseler Kunstverein

Bilderrätsel: Ein Blick in den Kasseler Kunstverein mit großformatigen Fotografien von Anja Köhne und einer Boje, die aus Wilhelmshaven stammt. Fotos:  Schachtschneider

Kassel. Wenn Anja Köhne unterwegs ist, hat sie immer eine Kamera dabei. Die 26-Jährige überlässt es der Intuition, „was der Apparat für mich sieht“. Sie lässt sich gern überraschen. Ihr Interesse bewusst auf ein Thema, eine Aufgabe zu fokussieren, fällt ihr schwer. Ergebnisse ihrer spontanen Entdeckerlust sind zurzeit im Kasseler Kunstverein zu sehen.

„kaum“ heißt ihre erste Einzelausstellung. „So habe ich mich noch nie ausbreiten können“, sagt Anja Köhne, die aus Stendal stammt und bei Bernhard Prinz an der Kasseler Kunsthochschule ihr Fotografie-Studium absolviert hat. Eigens für die Ausstellung hat sie eine Boje, eine sogenannte Spierentonne, mithilfe von Sponsoren vom Bauhof Wilhelmshaven ins Fridericianum bringen lassen: Kassel liegt am Meer.

Das mitten in der Austellung platzierte Ungetüm, das Köhne - die auch Performances macht - als Skulptur versteht, ist ein gutes Beispiel für das Spiel mit der Wahrnehmung und der Vorstellungskraft, das sie betreibt: Was ist das?, fragt der Besucher zunächst verwirrt und muss einen Sinn erst konstruieren. Auch Köhnes Aufnahmen bilden nichts ab, sie stellen vielmehr erst etwas her, erläutert Bernhard Balkenhol, der Vorsitzende des Kunstvereins.

Setzt auf Intuition: Kunsthochschul-Absolventin Anja Köhne (26).

Köhne entscheidet sich für ein Motiv nicht aufgrund des Objekts, also wegen des ursprünglichen Gegenstands oder eines Themas, sondern aufgrund des Bildes, das durch die Fotografie erst entsteht, das für sich steht, wie rätselhaft es sein mag: eine verzerrte Alltagserfahrung, Raum zum Spekulieren, aber „pure Fotografie“, sagt Balkenhol: rigide, reduziert, präzise und streng, Das Bild selbst erzeugt eine Emotion, nicht die abgebildete Wirklichkeit. Das Bild führt ein Eigenleben.

Kein Wunder, dass Köhne gern analog fotografiert, damit sie überrascht wird, sobald der Film entwickelt wird, dass „Störfaktoren“, also Spuren wie Kratzer im Negativ zu sehen sein dürfen.

Seit Jahren fotografiert Anja Köhne sich selbst, in allen Lebenslagen, sie richtet ihre Fragen an die Kamera, sagt sie, „ganz viel Skepsis, ganz viel, was ich nicht verstehe“. Sie will wissen, was die Kamera „von mir zeigt, wie ehrlich ich ihr gegenübertrete“.

Ihre Zukunft sieht die 26-Jährige „ein bisschen planlos“. Bis zur documenta will sie auf alle Fälle in Kassel bleiben. Was dann kommt, überlässt sie ihrer Intuition. Vielleicht sagt ihr auch das die Kamera.

Bis 3. Juli, Mi bis So, 11 bis 18 Uhr, Eintritt 4 (2) Euro, mittwochs frei, Tel. 0561-771169, www.kasselerkunstverein.de

Von Mark-Christian von Busse

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