Junges Theater Göttingen erhält nach Betrugsfall und Insolvenz wieder Zuschüsse

Der Spielbetrieb geht weiter

Bald startet der Spielbetrieb: Die Saison beginnt am Jungen Theater in Göttingen Anfang September. Foto: Sanders; Montage: Hermes

Göttingen. Die neue Spielzeit kann am Jungen Theater Göttingen im September beginnen. Der Verwaltungsausschuss der Stadt hat grünes Licht für die Weiterzahlung der Zuschüsse an das insolvente Theater gegeben. Rund 49 000 Euro bekommt das Junge Theater weiterhin monatlich von der Stadt - zumindest bis zum Jahresende.

Die Eilentscheidung des Verwaltungsausschusses am Montagabend ist einstimmig gefallen. Der Kulturausschuss des Göttinger Stadtrates hatte am vergangenen Donnerstag ebenfalls bereits für die Weiterzahlung der Zuschüsse gestimmt.

„Wir sind natürlich erleichtert und freuen uns, dass wir uns endlich wieder auf die künstlerische Arbeit konzentrieren können“, sagt Stefan Mönikes, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Jungen Theaters. Für die Belegschaft sei der Beschluss der Stadt die Grundvoraussetzung dafür, dass es weitergeht. „Nun stürzen wir uns mit noch mehr Zusammenhalt und Wärme in unsere Arbeit. Normalität muss wieder Einzug halten.“

Spätestens Mitte der Spielzeit soll dann auf Grundlage der aktuellen Zahlen entschieden werden, wie es weitergeht und ob ein kostendeckender Betrieb mit den zurzeit gezahlten Zuschüssen möglich ist. Es müsse auf die Zuschauerzahlen und die resultierenden Einnahmen geschaut werden, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson.

Das Junge Theater hatte Anfang Juli die Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragen müssen, woraufhin die Stadt ihre Zuschüsse stoppte.

Das Theater war zahlungsunfähig geworden, nachdem herauskam, dass eine Buchhalterin über längere Zeit hinweg eine sechsstellige Summe abgezweigt hatte. Die Rede ist von 300 000 Euro, aber der genaue Betrag muss noch festgestellt werden. Die Frau hatte dem Aufsichtsrat zudem in den vergangenen drei Jahren offenbar gefälschte Jahresabschlüsse vorgelegt. Die Mitarbeiterin wurde mit sofortiger Wirkung entlassen und muss sich einer Strafanzeige stellen.

„Endlich können wir uns wieder auf die künstlerische Arbeit konzentrieren.“

Auch die Zuschüsse des Landkreises Göttingen waren ausgesetzt worden. Der Kulturausschuss des Kreises hat am Montag ebenfalls eine einstimmige Beschlussempfehlung gegeben, die Zuschüsse wieder zu zahlen. Wie der Erste Kreisrat Franz Wucherpfennig mitteilt, sollen dem Spielbetrieb für 2010 noch 27 800 Euro bereitgestellt werden. Am kommenden Dienstag muss nun noch der Kreisausschuss den endgültigen Beschluss fassen.

Mit dem Geld des größten Zuschussgebers, der Stadt Göttingen, kann das Junge Theater nun den Betrieb vorerst fortführen. Im September werden wie geplant die Stücke „Die Räuber“ und „Warteraum Zukunft“ Premiere feiern.

Kommentar

Bettina Fraschke über das Junge Theater

ass die städtischen Ausschüsse entschieden haben, eine kulturelle Institution wie das Junge Theater zunächst bis Jahresende weiterzufördern, ist eine gute Nachricht. Das Haus ist erfolgreich, eine Auslastung von 80 Prozent spricht für die Beliebtheit.

Trotzdem darf die Unprofessionalität, mit der hier in den letzten Jahren gearbeitet worden ist, nicht so weitergehen. Aus der Insolvenz 2003, nach der die Buchhaltung professioneller werden sollte, ist offenbar nichts gelernt worden. Es ist kaum vorstellbar, dass der Aufsichtsrat des Theaters über Jahre nicht gemerkt haben soll, dass Jahresabschlüsse gefälscht worden sind. Wenn eine Person Geld veruntreut hat, muss das geahndet werden. Aber: Wenn Intendant und Aufsichtsrat des Hauses das nicht merken, wird nicht mit der gebotenen Gründlichkeit hingeschaut.

Unter der Flagge der Kreativität darf das saubere Wirtschaften nicht vernachlässigt werden. Dass jetzt künstlerische und kaufmännische Leitung getrennt werden sollen, ist nur ein Anfang. fra@hna.de

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