Spielen ist mehr als ballern, kämpfen, killen

Studenten veranstalten Kongress zu künstlerisch wertvollen Computerspielen

An der Kasseler Kunsthochschule entstanden: Illustration aus dem Computerspiel „Tiny&Big“ des Kasseler Gamestudios „Black Pants“.

Kassel. Ballern ist nicht alles. Der Computerspielmarkt bietet wesentlich mehr Angebote, als es die dominierenden Produkte nach der Art von „Kämpfe und Kill“ anbieten. Dies wollen Studenten auf einem Kongress im kunstverein beweisen.

Um einGegengewicht zu den kommerziellen Spieleangeboten zu setzen und Entwicklungen des Marktes zu zeigen, laden Studierende der Kasseler Kunsthochschule im Rahmen des Rundgangs zum Spielsalon Kassel ein. Sie veranstalten ab Dienstagabend einen Kongress, bei dem Autorenspiele im Mittelpunkt stehen sollen, Experten eingeladen sind und man Spiele vor Ort ausprobieren kann.

Seit zwei Jahren werden an der Kasseler Universität - gern in Kooperation zwischen Trickfilmern und Mathematikern - Spiele für den Computer programmiert: Die Animationsexperten erweitern ihren Horizont und suchen sich neue Märkte. Eingeladen ist etwa Paolo Pedercini vom italienischen Pionier Molleindustria. Radical Games heißen die Entwicklungen seines Teams. Da gibt es beispielsweise das Memory mit Karten zu Erderwärmung, Finanzkrise und Nahost-Konflikt oder ein Spiel zu Julian Assanges Wikileaks-Essay „Verschwörung als Regierungsform“.

Molleindustria hat ein McDonald’s-Spiel über die Verflechtungen der Fastfood-Industrie im Programm, „Tamatipico“, wo man den hyperflexiblen Arbeiter der Zukunft zu steuern hat, oder ein Spiel über Glaubenskämpfer mit dem Untertitel „Religiöser Hass hat nie so viel Spaß gemacht“. Ein politischer Ansatz wird deutlich: „Indem wir das Mainstream-Videospiel-Klischee unterwandern, ist es unser Ziel zu untersuchen, wie das Medium die Menschen beeinflusst“, sagen die Macher.

Zu Gast ist ferner die japanische Künstlergruppe Exonemo, die sich mit Live-Performances einen Namen gemacht hat und das Leben zwischen online und offline untersucht. Eddo Stern ist ein israelstämmiger Computerexperte, der sich auf Literaturadaptionen für Computerspiele spezialisiert hat.

Björn Knafla steht für die Programmiererseite - er beschäftigt sich mit künstlicher Intelligenz.

Der Spieleautor Marcel-André Casasola Merkle entwickelt Spiele und hat dafür schon mehrfach Auszeichnungen gewonnen (Auswahlliste Spiel des Jahres). In einzelnen Vorträgen und einer Podiumsrunde am Donnerstagabend wird der kulturelle, gesellschaftliche und technologische Hintergrund der Computerspiel-Welt aufgefächert.

Zu erleben sind zusätzlich Spiele in einer Ausstellung, die von Dienstagabend bis Sonntag zugänglich ist. Darin werden deutsche und internationale Computer·Games gezeigt mit künstlerischer Handschrift und oft überraschendem Inhalt jenseits des Mainstreams.

Von Bettina Fraschke

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