Das Trio Elf überzeugte im Theaterstübchen mit lebendigem Jazz

Spielen mit Seele

Das Trio Elf: Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer, Bassist Sven Faller und Pianist Walter Lang. Foto: Gebhardt

Kassel. Eigentlich wollten Gerwin Eisenhauer (Schlagzeug), Walter Lang (Piano) und Sven Faller (Bass) ihre neue CD „Elfland“ vorstellen, aber dann war es vorgestern im Theaterstübchen der Auftakt der Jubiläumstour zum zehnjährigen Bestehen. Und wieder wurde deutlich - denn es war nicht der erste Auftritt in Kassel -, dass die dreiköpfige Formation, die auf einzigartige Weise Drum’n’Bass, House, Dubstep oder Hip-Hop mit kammermusikalischer Raffinesse und Spielfreude verbindet, aus der Masse der zeitgenössischen Klaviertrios herausragt.

Musikalisches Zentrum ist eindeutig Schlagzeuger Eisenhauer, der ein Konzert allein bestreiten könnte, ohne dass auch nur die geringste Gefahr bestünde, sich zu langweilen. Mit sparsamen, lässigen Bewegungen holt er aus seiner präparierten Batterie die vertracktesten und präzisesten Techno-Sounds heraus.

Man könnte fragen, warum das spielen, wenn es sich auch programmieren ließe? Die Antwort: Weil es Seele hat, weil es lebt, weil Eisenhauer eben keine selbstverliebte Ein-Mann-Show abzieht. Das Trio improvisiert und interagiert, kommuniziert, wie es sich gehört.

Walter Lang macht keine Mätzchen am Piano. Er ist ein Lyriker, der eingängige Melodien nicht scheut, aber, wenn erforderlich, impulsiv ausbricht. Sven Faller schafft am Bass die Verbindungen und koordiniert die Samplings.

Nicht zu vergessen ist der vierte Mann, Mario Sütel, der im Hintergrund behutsam die Sounds abmischt. Natürlich komponieren sie selbst, beim Joggen und im Urlaub, wie die Zuhörer erfuhren, aber auch Kraftwerk, Bach, Brahms, Punk- und Grunge-Bands bilden Inspirationsquellen ihrer ausgefeilten Improvisationen.

Trio Elf werden den Jazz nicht revolutionieren, aber sie haben ihm doch neues Leben eingehaucht. Großer Applaus im Theaterstübchen.

Von Andreas Gebhardt

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