Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung zeigt auf Messe die Vielfalt des Studiengangs

Spielerisch Traumjobs kennen lernen

Monopoly der Städteplaner: Sebastian Wahler (rechts) spielt mit Tutor Benjamin Koziol und Barbara Zak ein von ihm entwickeltes Brettspiel, das ein Städtebau-Projekt begleitet. Foto: Brandstädter

Wer sich in einem ICE aus Sitzplatzmangel schon einmal am Ende des Zugabteils in die Gepäckablage gekuschelt hat, weiß genau, was Reisekomfort bedeutet. Würden vorbeilaufende Schaffner und Reisegäste nicht immer so verdutzt gucken, wäre die Gepäckablage vielleicht beliebter als ein Sitz in der 1. Klasse.

Isabell Maciongowski hat das Konzept eines alternativen Sitzplatzes im Zug weitergedacht und mit wirtschaftlichem Nutzen kombiniert. So entstand ihre „Schwarzfahrer Tarntasche“, ein Gepäckstück mit Luftlöchern und Innenbeleuchtung, in dem die Architektur-Studentin bequem reisen kann, ohne eine Fahrkarte lösen zu müssen.

Maciongowskis Kunstwerk ist nur eines von 45 Projekten, das der Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung (ASL) der Uni Kassel bei seinem dreitägigen Rundgang präsentiert. In den Gebäuden am Holländischen Platz zeigen sich die Studenten erstmals der breiten Öffentlichkeit, bei dem sie mit Ausstellungen, Vorträgen und Diskursen Einblicke in ihren Studiengang gewähren.

Wie vielfältig, künstlerisch und praxisorientiert der Fachbereich ASL ist, offenbart sich erst bei dem Rundgang mit Messecharakter. Während sich die eine Gruppe unter dem Titel „Das Hochhaus meines Onkels“ eine Stadt in die Vertikale stapelt, befasst sich eine andere mit der ökologischen Renaturierung der Fulda mit Laichplätzen für Forellen. Ein studentisches Projekt experimentiert an Vorschlägen für die Neugestaltung von Berlin Mitte, ein anderes ist nach Oberschlesien gereist, um den Strukturwandel in der Industrieregion um die Stadt Katowice zu analysieren und neue Konzepte für eine wirtschaftliche Zukunft zu entwickeln.

„Unsere Universität profiliert sich überregional und umweltbewusst“, erklärt die Professorin Christl Drey. Eine so themenübergreifende Ausbildung, wie sie in Kassel angeboten wird, sei bundesweit einzigartig.

Praxis im Mittelpunkt

Auch die Studenten zeigten sich in den vergangenen Tagen von der Vielfalt überrascht. Vor allem die Erstsemester ließen sich von den Arbeiten ihrer Kommilitonen inspirieren. Da sich ein Drittel der Ausbildung auf Praxisarbeit und eigene Projekte konzentriere, entstehe Freiraum für eigene Ideen, sodass sich der Fachbereich oft neu erfinde, sagt Drey.

So haben junge Architekten auch einen eigenen Raum im Dachgeschoss geschaffen. „Die Gruppe hat den fiktiven Raum aus dem Rolling-Stones-Video zu .Sympathy for a Devil" analysiert und ihn in verschiedenen Varianten umgewandelt“, erklärt Tutor Benjamin Koziol. In diesem so genannten „Devil"s Club“ feierten die Studenten gestern den Erfolg ihres Rundgangs, der noch bis heute Abend bestaunt werden kann.

Von Philipp Brandstädter

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