Kunst auf PC und Konsole

Spielsalon in Kassel: Erzählen auf neuem Level

Verrenkungen einnehmen: In „Perfect Woman“ muss man sich nach Computervorgaben verbiegen und ein Frauenleben nachspielen.

Kassel. Computerspiele jenseits von ausgetretenen Pfaden präsentiert eine große Ausstellung ab morgen in Kassel. Der „Spielsalon“ unter Federführung von Kunsthochschulprofessor Thomas Meyer-Hermann zeigt im Kunstverein und im Kulturhaus Dock 4, wie vielfarbig der Kosmos des Computerspiels ist - abseits der großen kommerziellen Hausnummern.

Die Schau bis 1. Dezember wird ein Treff für Fachleute und Spieler. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Schau.

Was wird beim Spielsalon zu sehen sein?

Junge Künstler zeigen Arbeiten, die innerhalb der letzten zwei Jahre entstanden sein müssen. Besucher können die Spiele spielen, Autoren treffen, an Vorträgen teilnehmen, sich zu eigenen Spielideen von Profis beraten lassen und sogar selbst eine Figur entwerfen, die dann Teil eines Computerspiels wird. Das berichten Stephan Hanf und Nils Knoblich vom Organisationsteam.

Was für Ideen sind da am Start?

Sehr kreative. Es gibt zum Beispiel das Spiel „Perfect Woman“ von Lea Schönfelder, das sich an Sportspiele für Wii und Xbox-Kinect anlehnt. Ihr geht es um die persönliche Unfreiheit von Frauen: Der Spieler muss mit seinem Körper jene Posen nachahmen, die Frauen im Laufe ihres Lebens einnehmen, etwa Streberin in der Schule sein oder sexuelle Avancen managen. Das geht nicht ohne Verrenkungen. „Viscera Cleanup“ von Runestop greift die Ästhetik von Ballerspielen auf. Man muss mit dem Wischmopp Körperteile und Munitionsreste aufräumen, die ein vermeintliches Ballerspiel hinterlassen hat. Die neuen Computerspiele sind oft politisch und erzählen eine Geschichte mit ihren neuen Methoden. Das Computerspiel etabliert sich als eigenständige, ernst zu nehmende und selbstbewusste Kunstform. Ein neues Level ist erreicht.

Wie ist die Ästhetik dieser Spiele?

Die neuen Autorenspiele wirken oft bewusst unperfekt und handgemacht. Damit will man sich von der glatt polierten Welt der kommerziellen Spiele absetzen. Und es geht darum, so Hanf, die Pixelästhetik der 80er-Jahre zu feiern, die Anfänge des Computerspiels also. Was ja auch die Zeit ist, in der die heutigen Erfinder als Kinder selbst gespielt haben.

Sind Autorenspiele denn per se nicht kommerziell?

!Oft sind sie gratis verfügbar, man kann im Netz aber spenden. Teils suchen Autoren die Bekanntheit über nicht kommerzielle Spiele, so Hanf, um darüber an lukrative Folgeaufträge zu kommen.

Gibt es auch Erfindungen, die richtig was einbringen?

Ja, immerhin ist gerade erneut ein Spiel aus Kassel bei iTunes im Appstore erhältlich: „Symmetrain“ von Daniel Goffin und Philipp Beau. Da muss man Unterschiede in Bildern finden. Aber Reichtum ist so nicht garantiert, sagt Knoblich: „Das Spiel muss auch auf dieser Plattform erst mal bekannt werden. Marketing ist entscheidend.“

Wer erfindet diese Computerspiele?

Zum Teil Studierende aus der Trickfilmklasse der Kasseler Kunsthochschule zusammen mit Informatikstudenten. Die meisten Erfinder sind selbst leidenschaftliche Spieler, so Knoblich. Manche kommen aber auch von der bildenden Kunst und testen, was Spiele für erzählerische und künstlerische Möglichkeiten bieten.

Video: Das erwartet die Besucher

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Service

Spielsalon: Eröffnung am 26.11., 19 Uhr, Schau bis 1.12

Orte: Kunstverein im Fridericianum und Dock 4, Untere Karlsstr. 4,

spielsalonkassel.com

Von Bettina Fraschke

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