Kasseler Musiktage: Ein Ensemble einheimischer Musiker bot Juwelen der Kammermusik im Kulturbahnhof

Als spielte ein Bruckner-Orchester

Spaß mit Spohr: Ein Ensemble Kasseler Musiker spielte sein Septett op. 147. Foto: Schachtschneider

Kassel. Wenn man auf ein Reservoire kammermusikalisch geschulter Musiker zurückgreifen kann wie in Kassel, dann ermöglicht dies Programme, wie man sie sonst nicht zu hören bekommt.

So im ersten der drei Konzerte aus der Reihe „Spohr und die anderen“, die von der Spohr-Gesellschaft und dem Konzertverein Kassel am Wochenende unter dem Dach der Kasseler Musiktage veranstaltet wurden. Wann schon hat man einmal Gelegenheit, Louis Spohrs spätes Septett op. 147 oder Ernst von Dohnányis Sextett op. 37 zu hören?

Spohr hat sein Septett für Violine (Felicia Terpitz), Violoncello (Wolfram Geiss), Flöte (Jens Josef), Klarinette (Jens Ubbelohde), Horn (Michael Hintze), Fagott (Kumiko Maruyama) und Klavier (Michael Krav-tchin) geschrieben. Und anders als bei früheren Werken des Kasseler Komponisten dominiert die Violine nicht: Alle Instrumente bekommen fast gleichermaßen zu tun. Die sieben Musiker hatten sichtbar Freude, das Maximum an Ausdruck aus dem facettenreichen Werk zu bergen, was vorzüglich gelang. Wenn Spohr mit solchem Engagement gespielt wird, sollte er seinen Platz in den Kammermusiksälen wiedergewinnen.

Am Ende gab es eine echte Kraftprobe. Als sei ein Bruckner-Orchester am Werk, wirkte die Interpretation von Dohnányis Sextett für Violine, Viola (Joachim Schwarz), Cello, Klarinette, Horn und Klavier (1902). Aus dem Füllhorn der Spätromantik lässt der Komponist Schmelz und Wogen, Salonanklänge und gebrochene Passagen fließen. Der Saal im mit 200 Zuhörern ausverkauften Südflügel im Kulturbahnhof war randvoll mit Musik. Das Sextett schwelgte. Manchmal war der Pinsel fast etwas zu breit.

Zwischen beiden Großwerken gab es als Verschnaufpause Mozarts Flötenquartett D-Dur. Einer durfte sich nicht erholen: Flötist Jens Josef, der seinen rasanten Part wunderschön und organisch ausgestaltete.

Von Johannes Mundry

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