Das war spitze: Der TV-Klassiker „Dalli Dalli“ kehrt zurück

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Kleiner Mann ganz groß: Mit seinen Luftsprüngen honorierte Moderator Hans Rosenthal (1,70 Meter) bei „Dalli Dalli“ besondere Leistungen seiner Kandidaten. Zum ersten Mal war dies am 4. September 1976 der Fall – da lief die Show schon fünf Jahre. Sein Luftsprung wurde im TV-Bild eingefroren, was damals eine Sensation war. Rosenthal starb 1987 an Krebs – mit 61 Jahren.

Wer von den Jüngeren wissen will, wie die Quizshow „Dalli Dalli“ funktionierte, muss sich nur das Lied „Spitze“ von den Sportfreunden Stiller anhören. In dem Song der Münchner Band hört man, wie Moderator Hans Rosenthal zu zwei Kandidaten sagt: „Achtung, konzentrieren, Dalli Dalli.“

Es geht darum, in 15 Sekunden so viele Begriffe wie möglich zu einem Thema zu nennen. Dann hört man im Lied einen Alarmton und wieder Rosenthal, der zum Publikum spricht: „Sie sind der Meinung, das war ...“ Und die Zuschauer rufen „spitze“. Selbst wenn man nur das Lied hört, glaubt man zu sehen, wie Rosenthal in die Luft springt - so wie er es bei besonderen Show-Momenten getan hat.

Der ZDF-Klassiker „Dalli Dalli“, der von 1971 bis 1986 lief, war selbst spitze. Ein eigenes Lied als Hommage kann nicht einmal „Wetten, dass ..?“ vorweisen. Nun kommt „Dalli Dalli“ wieder. Am Donnerstag, 26. September, sendet das Erste „Das ist spitze!“ zum ersten Mal zur besten Sendezeit.

Der Moderator heißt jetzt Kai Pflaume, der die Sendung seit 2011 bereits im NDR-Fernsehen moderierte. Den Titel musste die ARD auf Wunsch des ZDF ändern, aber sonst ist vieles wie früher. Wieder gibt es Prominente in Zweier-Teams, die Quiz-Runden auf der „Dalli-Tonleiter“ und mit dem legendären „Dalli-Klick“-Bilderspiel absolvieren.

Dass „Dalli Dalli“ zum wiederholten Mal neu aufgelegt wird, nachdem das ZDF in den 90ern bereits einen Versuch mit Andreas Türck startete, überrascht nicht. Das Format richtet sich an unseren Spieltrieb, den die Spiele-Industrie allein nicht befriedigen kann - trotz anhaltend hoher Zuwachsraten. Und unter den zehn erfolgreichsten Apps für Tablets und Smartphones sind gleich neun Spiele.

„Dalli Dalli“ wiederum ist der Inbegriff der Spielshow, die weitergeht als das bloße Quiz. Gefragt sind hier nicht nur Wissen, sondern vor allem auch Kreativität, Spontaneität, Tempo und Witz. Das Prinzip der Show ist die Grundlage für Stefan Raabs „Schlag den Raab“, einer der wenigen innovativen Neuerfindungen der vergangenen Jahre. Ansonsten haben die Programmplaner zuletzt nur ziemlich schamlos den Erfolg von „Wer wird Millionär?“ zu kopieren versucht, so dass längst alle Quizfragen, die man sich ausdenken kann, dreimal gestellt sein müssten.

Das TV-Lagerfeuer der Nation, zu dem man sich früher nach „heute“ oder „Tagesschau“ versammelte, existiert nicht mehr. Früher gab es abends nur drei Programme. Heute kann man nach acht noch einkaufen, twittern oder 186 andere Programme sehen. Und trotzdem schauen wir anderen beim Spielen zu.

Die Rückkehr von „Dalli Dalli“ liegt darum im Trend. Zuletzt feierte RTL mit „Die 2 - Gottschalk und Jauch gegen alle“ einen Quotenerfolg. Ab Oktober lässt die ARD in Matthias Opdenhövels „Show der unglaublichen Helden“ Alte gegen Junge antreten. Das ganze Leben, so heißt es nicht ohne Grund, ist ein Quiz. Aber nicht jedes Quiz ist eine Show und so spitze wie „Dalli Dalli“.

„Das ist spitze!“: Ab Donnerstag, 20.15 Uhr, im Ersten.

Von Florian Hagemann und Matthias Lohr

Links zu Videos der Show-Klassiker

Die letzte "Dalli Dalli"-Sendung aus dem Jahr 1986

"Auf Los geht's los" (1981)

"Einer wird gewinnen" (1968)

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