Spohr zu Ehren: Louise Pühn und Fjodor Selzer mit Duos für Harfe und Violine

Gelungener Dialog à la Spohr: Louise Pühn (Harfe) und Fjodor Selzer (Violine). Foto: Schachtschneider

Kassel. Liebe nach Noten, das war die Ehe von Louis Spohr und seiner Frau Dorette, geborene Scheidler – er der europaweit bekannte Geiger und Komponist, sie die nicht minder berühmte Harfenistin aus Gotha.

Das Ehepaar trat oft zusammen auf, und Louis komponierte sieben „Duette“ genannte Duos für diese Besetzung, die heute im Konzertleben keine Rolle mehr spielt. Der Zusammenarbeit des Konzertvereins, der Spohr-Gesellschaft und des Vereins Freunde junger Musiker ist es zu verdanken, dass am Sonntagabend zwei junge Künstler das musizierende Ehepaar wieder auferstehen ließen.

In der Reihe „Spohr und die anderen“ spielte die aus Kassel stammende Harfenistin Louise Pühn und der hier aufgewachsene Geiger Fjodor Selzer natürlich auch eins der Spohr-Duette, das in c-Moll, gefällig, perlend, voll schöner kleiner Melodien. Ein gelungener, entspannter Dialog konnte sich entwickeln.

„Die anderen“, das waren diesmal Gabriel Fauré mit der Fantasie op. 79, leider durch Konfusion mit den Notenkopien etwas verwackelt, Barbara Heller mit 14 „Klangblumen“, deren kompositorische Blüten sich nicht recht entfalten wollten, und die große Fantasie von Camille Saint-Saëns, eins der Reverenzwerke für die Kombination Harfe und Geige. Hier waren die beiden Solisten ganz auf der Höhe des schwierigen Stücks und entfachten ein bewundernswertes, nahezu sinfonisches Klangbild.

Sowohl Fjodor Selzer als auch Louise Pühn durften auch jeweils einmal allein auf die Bühne. Der Geiger spielte souverän „Cleopatra“ des türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say, eine virtuose Fantasie mit subtiler Beimischung orientalischer Stilelemente. Nicht minder ausdrucksstark trug die Harfenistin eine Fantasie in c-Moll vor, die von Louis Spohr stammt und schön die Waage zwischen Emotion und formaler Klarheit hält.

Einer Zugabe bedurfte es nach dem vielfältigen Programm nicht, auch wenn die sechzig Besucher im Südflügel des Kulturbahnhofs sie gern noch erklatscht hätten.

Von Johannes Mundry

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