Knackige Würstchen, stramme Saiten: Spohr-Museum würdigt die Geige

Aus welchen Hölzern besteht eine Geige? Im Spohr-Museum kann man die Holzarten vergleichen. 2 Fotos: Fritsch

Kassel. Was haben Wiener Würstchen mit Violinsaiten zu tun? Eine Menge: Für beides spielt Schafdarm als Material eine wichtige Rolle. So steht in der neuen Abteilung „Von Holz und Schallwellen“ im Kasseler Spohrmuseum eine Wurstdose neben einer Geige, die mit Darmsaiten bespannt ist.

Was die Würstchen so knackig macht, der Schafdarm, hat auch über Jahrhunderte Geigern zum Musizieren gedient.

Mit dem neuen Teil der Dauerausstellung geht das Spohr-Museum noch einen Schritt weiter in Richtung Mitmachmuseum oder auch Museum zum Anfassen. In mehreren Stationen kann man alles erfahren, ertasten, erfühlen und auch hören, was das Geigenspiel ausmacht.

Spohr-Museum im Südflügel des Kulturbahnhofs. Geöffnet Sa. bis Mo. 10 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung.
Tel. 0561 / 766 25 28

Eine sinnvolle Ergänzung in einem Museum, das dem neben Paganini berühmtesten Geiger seiner Zeit gewidmet ist: Louis Spohr (1784-1859), der die meiste Zeit seines Lebens in Kassel wirkte.

Da Schafdarm nicht nur Würstchen knacken lässt, sondern auch beim Geigenspiel gelegentlich knackt, also reißt, wurden die Saiten stetig weiterentwickelt. Indem man sie umspann und indem man sie durch andere Materialien ersetzte. Eines davon, neben Stahl, war das Nylon, ein Kunststoff, der in den 30er-Jahren in den USA entwickelt wurde. Bald wurden daraus nicht nur elegante Strümpfe oder Zahnbürsten hergestellt (auch sie sind in der Ausstellung zu sehen), sondern auch Saiten für Gitarren und für Streichinstrumente. Auch sie wurden teilweise umsponnen.

Würstchen im Museum? Beitrag zum Thema Schafdarm.

Die gesamte Entwicklung ist im Spohrmuseum zu sehen (teilweise durch Lupen vergrößert) und zu ertasten. Ein Höhepunkt ist die Geige unter dem Stroboskop: Streicht man unter diesem Flackerlicht eine Saite an, dann sieht man mit bloßem Auge die Schwingungen der Saite wie in Zeitlupe.

Auch die verschiedenen Hölzer, die beim Geigenbau verwendet werden, kann man in die Hand nehmen und in ihren Eigenschaften kennenlernen.

Schließlich ist noch eine Chladni-Platte - beliebtes Utensil im Physikunterricht - in Geigenform aufgebaut: Streut man Sandkörner darauf und spielt einen Ton an, dann erzeugen die Schwingungen geometrische Sandfiguren.

Mit der neuen Abteilung zeigt das Spohrmuseum erneut, dass es museumspädagogisch weit vorn mitspielt. „Wir wollen Irritationsmomente schaffen, die die Neugier der Besucher wecken“, sagt Museumsleiter Dr. Karl Traugott Goldbach. Das ist gelungen - bei moderaten Kosten von 9500 Euro, von denen 5000 Euro die Firma Wingas und 4500 Euro das hessische Kunstministerium übernahm.

www.spohr-museum.de

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