Fulminantes Konzert des Arcadia-Quartetts im Südflügel – Bärenreiter gibt Handschriften ans Spohrmuseum

Wie Spohr nach Rumänien kommt

Arcadia-Quartett: (von links) Zsolt Török (Cello), Ana Török (1. Violine), Raˇsvan Dumitru (2. Violine), Traian Boalaˇ (Viola). Fotos: w.f.

Kassel. Wie kann man die Verbreitung von Louis Spohrs Musik unterstützen? Das Spohrmuseum und der Kasseler Konzertverein machen es so: Sie laden renommierte Streichquartette ein, für ein Konzert in Kassel ein Werk Spohrs einzustudieren und dieses dann in ihr Konzertrepertoire aufzunehmen.

Ein durchaus erfolgversprechendes Konzept, denn das rumänische Arcadia-Quartett spielte Spohrs a-Moll-Quartett op. 74,1 im Südflügel derart schlüssig und voller Elan, dass der Verdacht, es habe sich nur um eine lästige Pflichtaufgabe gehandelt, gar nicht erst aufkommen konnte.

Durch sparsames Vibrato und das geradlinige, klar konturierte Spiel der Arcadia-Musiker gewann Spohrs Quartett eine Kompaktheit und Entschiedenheit, die alles Biedermeierliche hinter sich ließ. Als fulminante Geigerin erwies sich Ana Török am ersten Pult, die ihren virtuosen Part mühelos meisterte und ihre Mitmusiker zu höchster Spiel-Intensität animierte. Höhepunkte waren das sanft bewegte Larghetto und das rasante Rondo-Finale.

Hatte Hugo Wolfs „Italienische Serenade“ noch als elegantes Entrée gedient, so folgte nach dem Spohr-Quartett mit Beethovens e-Moll-Quartett op. 59,2 ein weiterer Höhepunkt. Mit krachender Expressivität stürzten sich die vier in dieses Stück und setzten insbesondere das schnörkellos und hellwach musizierte „Molto Adagio“ auf die höchste Dringlichkeitsstufe. Als Zugabe angesichts des Jubels der 90 Zuhörer gab’s ein Haydn-Menuett (op. 76,1).

Eröffnet hatte das Konzert ein feierlicher Moment: Bärenreiter-Verlegerin Barbara Scheuch-Vötterle übergab dem Spohrmuseum als Dauerleihgabe 17 Handschriften Spohrs, darunter das Autograf des Klaviertrios op. 133, und einen Taktstock des Meisters.

Von Werner Fritsch

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