Die Sprache des Tanzes: Choreografien im Dock 4

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Auf das bloße Klischee reduziert: Léa Tirabasso, als Tänzerin am Staatstheater engagiert, am Sonntagabend in ihrer eigenen Performance „XX“ im Dock 4.

Kassel. Das Leben selbst liefert ihnen die Inspirationen. Und so überraschend und bunt wie das Leben waren auch die Choreografien der beiden Tänzer am Staatstheater Léa Tirabasso und René Alejandro Huari Mateus am Sonntagabend im Dock 4.

„Ours out - works in progress“ ist der Titel des Tanzabends, bei dem nicht nur die Tänzer gefordert waren, sondern das Publikum gefragt war.

In welcher Beziehung stehen Darsteller und Publikum? René Alejandro Huari Mateus stellt diese Frage in der Choreografie „Hommage to a stolen mechanism“, in der Staatstheater-Tänzerin Maasa Sakano sich Impulse und Vorgaben aus dem Publikum holt. Welcher Begriff soll im Mittelpunkt der Choreografie stehen? Welches Kostüm getragen werden? Die Wahrnehmung des Besuchers wird aus der zuschauenden Position herausgelöst und in eine aktive, am Geschehen beteiligte gekehrt.

Léa Tirabasso spürt der Frage nach dem Verhältnis Frau und Gesellschaft in ihrer beeindruckenden Choreografie „XX“ nach. Die Frau, nur in Unterwäsche, schlüpft in eine Rolle, die sie auf das bloße Klischee reduziert. Hohe Schuhe, Hot Pants und durchsichtiger Pulli. Der Prozess des Absturzes, des Missbrauchs und der Erniedrigung wird eindrucksvoll von der jungen Tänzerin umgesetzt. Ein leises Murmeln, schwer verständliche Worte aus dem Lautsprecher - mühsam versucht sich die junge Frau, Gehör zu verschaffen.

Prozess der Zerstörung

Voller Überraschungen und unvorhergesehenen Ereignisse steckte die letzte Choreografie „Revisiting an external world“ von René Alejandro Huari Mateus. Gewalt, Aggression und Zerstörung als ein verbaler, physischer und psychischer Prozess sowie die Erinnerung stehen hier im Mittelpunkt. Getanzt haben Marianne Lindner, Hanna Lee, Ko-eun Park, Maasa Sakano und Viktoria Trow-Poole. Analog dazu wurde die Szene durch Sprache und Kampfkunst von Gerhard Hoffmeister und Cristián I.G. Álvarez erweitert.

Starke Symbolik und ausdrucksstarke Umsetzung haben den Abend zum besonderen Tanzerlebnis gemacht. Auch beim abschließenden Publikumsgespräch gab es viel Lob für die drei unterschiedlichen Choreografien.

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