Sprachkunstreihe 3durch3: Wie man Gedichte mit dem Körper interpretiert

Sprachkünstler: Petr Vása (links), Franz Josef Czernin und Martina Hefter. Foto: Proft

Kassel. Was macht Sprache körperlich? Zählen wir zur Sprache nur die Laute, die in die Atmosphäre strömen oder auch die Bewegungen unseres Körpers beim Sprechen?

Diesen Fragen widmeten sich am Donnerstagabend drei internationale Sprachkünstler im Kunsttempel. Etwa 20 Gäste beobachteten mit Begeisterung die körperlichen Gedichtinterpretationen von Martina Hefter, Franz Josef Czernin und Petr Vása.

Martina Hefter aus Leipzig übersetzte ein Gedicht von Ernst Jandl in eine festgesetzte Bewegungsabfolge. Auf einem Stuhl sitzend überkreuzt die zierliche Tänzerin hektisch ihre Arme, lässt sie fallen, stützt sie abrupt in die Seite und setzt ein künstliches Lächeln auf. Immer wieder wiederholt sie die Choreografie und erinnert dabei entfernt an eine Flugbegleiterin.

Körperlich und sprachlich beschreibt sie anschließend den Prozess hinter ihrer Darstellung und macht dabei deutlich: eine Illustration in Form einer pantomimischen Darstellung führt in diesem Fall zu keinem Ergebnis.

Der Österreicher Franz Josef Czernin begibt sich mit seinem Projekt „Grimms Märchen. Verwandlungen“ in die poetischen Tiefen unserer Regionalkultur. Aus klassischen Grimm-Geschichten entwickelt er neue Märchen. Der Geist der Geschichte bleibt dabei erhalten, aber die Figuren verändern ihre Körper.

So wird aus dem Mädchen, das so gern süßen Brei wollte, ein nimmersatter Gelehrter, der über seiner Schrift brütet.

Der Tscheche Petr Vása präsentierte mit seiner physischen Poesie eine beeindruckende Synthese aus Bewegung, Sound, Rap und verschiedenen Sprachen, die an die Lautgedichte von Schwitters erinnerten.

Erstaunlich zugänglich und in keiner Weise willkürlich bildete sein Zug-Gedicht einen phänomenalen Abschluss des Abends.

Von Philine Proft

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