Er spricht aus dem Herzen: Clueso in der Kasseler Stadthalle

Ganz natürliche Ausstrahlung: Clueso kommt ohne Stargetue aus. Foto: Schachtschneider

Kassel. Als Thomas Hübner 1998 seine Friseurlehre abbrach, da hatte er wohl selbst in seinen kühnsten Träumen nicht an solche Bilder geglaubt: Jubelnde Fans in einer ausverkauften Stadthalle.

Auch am Montag in Kassel durfte er mit seiner Band dieses Panorama des Erfolgs genießen. Allerdings nicht unter dem Namen Hübner, sondern als Clueso.

Den Namen hat der aus Erfurt stammende Musiker der Figur des Inspektor Clouseau aus dem Film „Der rosarote Panther“ entlehnt. Der 31-Jährige ist ein gutes Beispiel dafür, dass Individualität und Mut Träume wahr machen können. Und das auch, wenn man musiktechnisch nicht genial ist und auch die Gesangsstimme einen eher bescheidenen Umfang hat.

Was Clueso aus diesen Vorgaben macht, ist viel Applaus wert. Auch wie er sich präsentiert: Er hat Bühnenpräsenz, Temperament und eine gute natürliche Ausstrahlung und kommuniziert mit dem Publikum auf Augenhöhe. Dickes Lob verdienen ebenfalls die Lichtshow und die genialen Effekte. Etwa als ein durchsichtiger Vorhang die Musiker einhüllte, auf denen dann riesige, leuchtende Lichttimpressionen und das Gesicht von Clueso erschienen.

Und die Musik? Die Lieder gehen ins Ohr, jubelnd begrüßt von seinen Fans bei jeder Ansage: „Keinen Zentimeter“, „Ein schöner Tag“, „Zu schnell vorbei“, „Niemand an dich denkt“ - die Stücke werden mitgesungen wie Hymnen. Die Arme gehen dabei in die Höhe und geben den Scheibenwischer.

Die Texte sprechen dem überwiegend jugendlichen Publikum aus dem Herzen, Cluesos Gesangsstimme klingt nach gefühlvoller, ehrlicher Haut. Da fällt die Identifikation leicht, wenn es um Selbstwertgefühl, Sehnsucht nach Nähe, Trauer und Trennung geht. Etwas schade, dass die Band ihn bisweilen mächtig zuschüttet. Bass und Schlagzeug lassen seine Stimme manchmal fast untergehen.

Auf der Bühne zeigt der Thüringer Selbstvertrauen, nie aber auch nur die Spur von Arroganz oder Möchte-gern-Star-Sein. Im Oktober 2005 ging Clueso für das Goethe-Institut als „Botschafter für ein junges lebendiges Deutschland“ auf Workshoptour durch Italien. Das passt zu ihm. Ein Musiker mit Gefühl und Zielen. Viel Applaus dafür.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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