Kunst statt Graffiti: Künstlergruppe aus Berlin will zur documenta 13 Hauswände mit märchenhaften Motiven bemalen

Auf den Spuren der Brüder Grimm

So arbeitet die Künstlergruppe „Innerfields“: „Performin your ideas“ hießt dieses Flächendesign, eine Fassadengestaltung Admiralstraße, Berlin Foto: nh

Kassel / Berlin. Graffiti eine neue Stilprägung zu geben, das ist seit einigen Jahren ihre Mission. Die Berliner Künstlergruppe „Innerfields“ hat sich als eins ihrer nächsten Projekte vorgenommen, Kasseler Wände mit Szenen aus den Märchen der Gebrüder Grimm zu verzieren.

Für ein mehrwöchiges Projekt zur documenta 13 sind Veit Tempich, Holger Stumpf und Jakob Bardou schon jetzt auf der Suche nach Kooperationspartnern und Sponsoren, die Hauswände und andere Flächen zur freien künstlerischen Gestaltung zur Verfügung stellen möchten.

„Das Projekt soll Motive aus der Märchenwelt mit neuen Formen der urbanen Kunst verbinden“, sagt Stumpf. „Da die Brüder Grimm international bekannt sind und Kassel während der documenta zum Knotenpunkt der Kunstwelt wird, möchten wir uns einem Thema widmen, das den Menschen vor Ort etwas bedeutet.“

Die Märchen und Sagen von Wilhelm und Jacob Grimm seien voll von bunten Charakteren und Beschreibungen - das habe ihn und seine Kollegen schon seit einiger Zeit fasziniert, sagt Stumpf. Erste Entwürfe für die Kunstaktion gibt es schon, unter anderem ein großflächiges Motiv aus „Der Fischer und seine Frau“.

Die drei Künstler aus Berlin-Kreuzberg bedienen sich einer ganzen Palette von Materialien und Techniken, die über das bloße Bemalen einer Wand hinausgehen: Mit Hilfe von Airbrush zum Beispiel entstehen fotorealistische Darstellungen und Grafiken. Manchmal tragen sie sogar Blattgold auf Wände und Decken auf.

Vor drei Jahren beschlossen die Künstler sich unter dem Namen „Innerfields“ selbstständig zu machen. In Berlin hat das Trio seitdem Arbeiten in Innenräumen und im Freien umgesetzt. So etwa in Apartments, einer Zahnarztpraxis, in der Fußgängerunterführung von Ikea in Berlin-Tempelhof und auf den Fassaden mehrerer Wohnhäuser.

Eine Herausforderung sei jedoch die Gestaltung des St.- Matthäus-Kirchhofs in Berlin-Schöneberg gewesen, sagen die drei. Der Friedhof bekam ein neues Outfit. Dabei wurde die Erinnerung an solche Teile des Friedhofs wiedererweckt, die von den Nationalsozialisten im Zuge der Germania-Planung Albert Speers zwischen 1936 und 1943 geräumt worden waren.

Bardou und seine Partner malten die schattenhaften Silhouetten dieser Grabmale auf freigelegte Brandwände, die den Friedhof umgeben.

„Unsere Außenbilder werden von der Graffiti-Szene respektiert und nicht beschmiert“, sagt Tempich, der eine Ausbildung zum Holzbildhauer absolviert hat.

Der Start in die freie Arbeit sei nicht leicht gewesen, sagte der 29-Jährige. Anfangs habe es nur wenige Aufträge gegeben. Doch inzwischen stehen auf ihrer Kundenliste Namen wie Audi, MTV, die Porzellanmanufaktur Meissen und die Aktion Mensch.

Der Arbeitstag der drei beginnt morgens um neun, oft malen sie 16 Stunden lang wie besessen. Aber schließlich sind sie ja nicht nur Wandgestalter, sondern auch Künstler geblieben. Genau das will „Innerfields“ zur documenta 13 öffentlich unter Beweis stellen.

Um mehr über das Projekt zu erfahren oder eine Wand hierfür anzubieten, bitte telefonisch unter 01708 / 009153 melden oder eine E-Mail an info@innerfields.de schicken.

Von Martin Steinmetz

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