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Staatsorchester mit opulentem Klang beim Sinfoniekonzert

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Mit Werken von Beethoven, Boulanger und Berlioz: Mario Hartmuth dirigierte das Staatsorchester.
Mit Werken von Beethoven, Boulanger und Berlioz: Mario Hartmuth dirigierte das Staatsorchester. © Andreas Fischer

Das Kasseler Staatsorchester entfesselte unter Leitung von Mario Hartmuth in der Stadthalle stürmische Leidenschaften mit einem großangelegten Konzertprogramm und Werken von Beethoven, Boulanger und Berlioz.

Kassel – Ein Programm, das sich bei diesem Sinfoniekonzert in der Stadthalle einmal ausschließlich dem vollen Orchesterklang widmete: Das Staatsorchester Kassel zeigte mit drei programmatischen Werken von zwei epochemachenden Komponisten und einer genialen Komponistin, was ihm an Klangvolumen und Darstellungskraft alles möglich ist.

Unter der Leitung von Mario Hartmuth schreckte man von Anfang an nicht vor einer alle Kräfte ausnutzenden, großbesetzten Orchesteraufstellung zurück. Ludwig van Beethovens dritte Leonoren-Ouvertüre wurde so zum glänzenden Konzertstück, das auch jenseits der Florestan- und Freiheitsthematik seiner Oper „Fidelio“ seine Wirkung zeigte.

Programmatisch im besten Sinn dann im weiteren zwei Stücke von Lili Boulanger. Die Komponistin ist nach wie vor mit ihrem 40 Werke umfassenden Opus selten im Konzertsaal präsent. 1918 starb sie mit 24 Jahren an Tuberkulose. Wenige Wochen vor ihrem Tod vollendete sie die beiden Stücke, ursprünglich auch für Kammerbesetzung geschrieben, „D’un soir triste“ („Von einem traurigen Abend“) und „D’un matin de printemps“ („Von einem Frühlingsmorgen“), deren letzte Änderungen sie ihrer Schwäche wegen ihrer Schwester Nadia diktierte.

Hartmuth stellte sich beeindruckend auf die stimmungsmäßig so unterschiedlich konzipierten Werke ein, die hochexpressiv zwischen Freude, Schmerz und Trauer changieren. Er kostete die innig-lyrischen und freudigen Elemente angesichts des Frühlingsmorgens, aber auch die kühnen und erstaunlich monumentalen Passagen angemessen plakativ aus. Auch wenn die Komponistin vom französischen Impressionismus beeinflusst ist, in dieser Interpretation horcht man erstaunt auf die Originalität und das echte harmonische Genie von Lili Boulanger.

Als ein erstes Schlüsselwerk der Programmmusik, als geniales und sich in seiner Zeit von allen Konventionen lösendes Monumentalepos gilt Hector Berlioz’ „Symphonie fantastique“. Die Geschichte des empfindsamen jungen Mannes, der im Opiumrausch teils beängstigende Visionen durchlebt, bietet dem um 1830 sich rebellisch gebärdenden Komponisten alle Möglichkeiten, seine Vorstellungen auszuleben. Mario Hartmuth zeichnete das kongenial nach, wie etwa den verzückt-beschwingten Walzer mit eingestreuter Idee fixe, dem Leitmotiv des Helden im zweiten Satz, die große Leidenschaft und geradezu Entfesselung beim Gang zum Schafott oder dem abschließenden „Hexensabbat“. Allein im 3. Satz, den „Szenen auf dem Lande“, der mit einigen unüberhörbaren Längen versehen Beethovens „Pastorale“ huldigt, war ein gewisser Spannungsabfall zu bemerken.

Großes Kompliment aber an das Orchester, das Hartmuths Intentionen sehr angemessen und mit Engagement umsetzte. Hervorzuheben bleiben die beeindruckenden Leistungen des Schlagwerks und das glanzvolle Spiel der Blechbläser. Aber auch die große Streicherbesetzung überzeugte mit Klangvolumen, dynamischer Flexibilität und homogener Stimmführung etwa in den Anfangspassagen der Sinfonie. Großer Beifall und Standing ovations in der fast ausverkauften Stadthalle.

Von Christiana Nobach

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