Staatsorchester: Musik mit Muskeln

Mit Verve dirigiert: Anja Bihlmaier leitete das Kasseler Staatsorchester. Foto: Fischer

Kassel. Anja Bihlmaier dirigierte beim Kasseler Sinfoniekonzert Werke von Staehle, Richard Strauss und Dvorak.

Strotzend vor Kraft, markant und energisch: So lässt Richard Strauss den Helden in seiner prachtvollen sinfonischen Dichtung „Don Juan“ daherkommen. Doch nicht nur deshalb war das jüngste Sinfoniekonzert in der fast vollen Kasseler Stadthalle ein Abend, an dem die Musik ihre Muskeln zeigte.

Anja Bihlmaier, Erste Kapellmeisterin am Staatstheater, dirigierte straff, ließ mit scharfen Akzenten musizieren, sorgte für große Spannung und zeigte sich auch lautstarken, klanglichen Härten nicht abgeneigt. Die komplementären Elemente zu dieser treibenden Kraft - Entspannung und Ruhepunkte - schienen da schwächer ausgeprägt.

Die erste Konzerthälfte gehörte Komponisten, die ihre Werke in jungen Jahren geschrieben hatten. Da war zuerst die Ouvertüre e-Moll des 16-jährigen Hugo Staehle (1826-1848). Der gebürtige Fuldaer zählte zu den Schülern von Louis Spohr, der dieses Werk mit der Casseler Hofkapelle 1844 uraufgeführt hat.

Ein Opus mit schroffen Gesten, lieblich klagenden Holzbläser-Einwürfen und wirbelnden Violinfiguren. Das war drängend-leidenschaftlich, doch noch größeren Effekt machte darauf die spätromantische Tondichtung des 24-jährigen Strauss.

Don Juan, dem größten Macho aller Zeiten, wurde eine tolle Huldigung dargebracht - von Bihlmaier mit Verve dirigiert und virtuos gespielt vom Staatsorchester Kassel. So gab es vor der Pause tosenden Beifall, erst recht für die Solisten wie Oboistin Sabine Nobis, die dem Testosteron-Höhenflug eine wunderbar innige Melodie entgegengesetzt hatte.

Antonìn Dvorˇáks Sinfonie Nr. 7 d-Moll bot dann einen Anknüpfungspunkt an Bihlmaiers Konzert im Februar mit der 3. Sinfonie von Brahms, ist doch diese großartige, im Charakter grüblerische bis pathetische Dvorˇák-Sinfonie vom Werk des befreundeten Kollegen beeinflusst. Nicht selten gab es dabei eine geradezu aufpeitschende Wucht. Kennzeichnend für Bihlmaiers Stil war auch, dass sie das „Poco adagio“ (Etwas langsam) recht zügig nahm - kein romantisches Schwelgen im breiten Tempo. Am Ende nochmals großer Beifall für die Dirigentin und alle Orchestergruppen.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.