Drama

"Die Opferung von Gorge Mastromas" feiert Premiere im Kasseler Staatstheater

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Konflikt: Enrique Keil (Mastromas, links) und Aljoscha Langel (Sol).

Kassel. Auf der Studiobühne des Kasseler Staatstheater entrollt mit "Die Opferung von Gorge Mastromas" ein Drama über Gier und Lüge. 

Was wäre, wenn ...? Wenn ein voll und ganz durchschnittlicher Mensch die Gelegenheit bekäme, durch eine einzige Lüge zu Reichtum, Ruhm und Macht zu kommen – und zu Frauen en masse. Das ist die Grundfrage des Stücks „Die Opferung von Gorge Mastromas“, das am Freitagabend im Kasseler Tif Premiere hatte. Geschrieben hat es 2012 der englische Erfolgsautor Dennis Kelly, von dem 2014 das Kammerspiel „Waisen“ an selber Stelle zu sehen war.

Eine skrupellose Geschäftsfrau (sehr überzeugend Michaela Klamminger) überredet diesen Gorge zur Wende seines Lebens. Doch der Weg führt nach unten: Verlust an Bodenhaftung, Lüge, Selbstmordversuch, Mord am Bruder (Aljoscha Langel), der so anders ist.

Das Stück ist eine Konstruktion. Hier soll etwas demonstriert werden. Große Teile des pausenlosen Zweistundenabends laufen als Erzählung mit sieben verteilten Rollen ab. Darin sind nachgespielte Episoden aus dem Leben der Hauptfigur eingeklinkt, wobei Gorge auf vier Schauspieler auftgeteilt ist (Tim Czerwonatis, Hagen Bähr, Enrique Keil, Uwe Steinbruch). Rahel Weiss spielt mit vollem Einsatz Gorges Geliebte und Frau Louisa.

Regisseur Martin Schulze und Bühnenbildnerin Ulrike Obermüller stellen das epische Theater auf eine goldene Spielfläche, um die herum ein erhöhter Laufsteg in Hufeisenform errichtet wurde. Sympathie, gar Empathie mit seinen Personen strebt Kelly nicht an, auch keine wohlfeile Moral, sehr wohl aber die Verunsicherung, wie schnell sichere Lebensgrundsätze ins Wanken geraten können. In den Erzählungen wird das Publikum, das großen Beifall spendete, immer wieder direkt angesprochen. Zurücklehnen also ist nicht.

Gar keine Hoffnung? Doch: Am Ende tritt Pete auf, ein Enkel Gorges, von dem er nichts wusste. Der Großvater bietet ihm die Chance, die er einst hatte. Doch der junge Mann lehnt ab. Etwas hohl und vorhersehbar dieses Finale eines dichten Stücks, das von einem großartigen Schauspielerseptett vorgeführt wurde.

Kartentelefon: 0561/1094222

Von Johannes Mundry

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