Stammtisch beim Frauenarzt: "Sehnsucht", die neue Revue der Komödie

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Aus Argwohn wird ein Miteinander: Frau Wollemann (Sema Mutlu, links) und Frau Schmitt (Annette Mayer) in „Sehnsucht“.

Kassel. Optisch erinnert diese Arzthelferin (Hanna Markutzik) an Comedy-Wuchtbrumme Cindy aus Marzahn. Doch die hier hat mehr Temperament, legt sogleich einen kessen Popsong hin und tanzt dazu mit der Dynamik eines Rasenmähers – und das in einer Arztpraxis.

Der nächste Ausnahmezustand folgt sogleich. Einen Blumenkasten trägt sie (Astrid Schulz) wie einen Rucksack auf dem Rücken, und alles, was sie von sich gibt, klingt wie die Ansage einer Kampfmaschine im Rentenalter: „Hätte ich erst in drei Monaten einen Termin bekommen, dann wäre ich jetzt tot - untenrum.“ Zwei weitere weibliche Charaktere (Annette Mayer, Sema Mutlu) aus der Abteilung völlig schräg, aber äußerst liebenswert, sollten folgen.

Nach der „Wechseljahre-Revue“ gehört die Bühne in der Komödie nun einer Frauenarzt-Praxis. Am Donnerstag feierte „Sehnsucht“, eine Revue von Gerburg Jahnke, vor vollen Rängen Premiere. Wie schon beim Vorgänger-Stück funktionierte auch hier die Verschwisterung zwischen dem weiblichen Bühnenpersonal und den weiblichen Besuchern von der ersten Minute.

Schwangerschaft, Abstriche machen, erster Sex, Liebhaber, die man nicht bekommt, Liebhaber, die man nicht mehr loswird - das Auditorium – besser gesagt zumeist die weibliche Fraktion - quittierte jeden Gag mit brüllendem Gelächter.

Die Handlung auf den Nenner gebracht: Vier Frauen treffen in einer Frauenarzt-Praxis aufeinander. Zunächst beherrschen Distanz und Argwohn das Miteinander, dann findet das Quartett zu einer Art Damenstammtisch mit Herz zueinander. Klingt banal, war es aber nicht. Denn hier wurde auch regietechnisch (Karsten Engelhardt) großartig gearbeitet. Wurden das Licht genutzt, Stimmungsbilder kreiert, auf Musik von Donna Summer bis Peter Maffay gesetzt.

Schon die Musik also sorgte für beste Stimmung - bisweilen sogar für richtig romantische. Und: Einige der Damen konnten richtig gut singen. Nun gut – die Witze waren zumeist etwas flach – doch, wen störte das? So gekonnt, wie diese Damenriege die Pointen setzte, so charmant, wie sie sich in die Herzen spielte – Riesenapplaus.

Viele Termine in den kommenden Wochen, Karten: Tel. 0561/18383, www.komoedie-kassel.de

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