Der irische Sänger Chris de Burgh bei seiner Sommertour in der Kasseler Stadthalle

Schmuse-Barde: Chris de Burgh bei seinem Auftritt in der Kasseler Stadthalle. Foto: Schachtschneider

Kassel. Der fast einstündige Schlussakkord beginnt mit „Lady in Red“, und der Sänger nimmt ein Bad in der Menge. Singend zieht er durch die Reihen in der fast ausverkauften Kasseler Stadthalle, macht seine Verbeugung, umarmt die Frauen, posiert mit Männern vor der Kamera und sitzt auch mal einer besonders attraktiven Blondine auf dem Schoß.

Dieser Mann ist ein Star zum Küssen und Anfassen, wen stört‘s da, dass diese scheinbar spontane, persönliche Einlage immer und immer wieder bei seinen Konzerten passiert: eine klug eingefädelte Dramaturgie, die den Sänger Chris de Burgh als einen von uns inszeniert.

Ganz nah soll er uns sein. Wenn er bei den Erfolgshits „High On Emotion“ oder „Missing You“ seine Fans dirigiert, sind sie alle auf den Beinen, tanzend und mitsingend. Ein großes Fest ist das, ein Gefühlstaumel.

Chris de Burgh bei seiner Sommertour 2010 in Kassel: Es beginnt mit einer übersteuerten Soundtechnik, einer bombastischen Lichtchoreografie und mit Songs, die der irische Schmuse-Rocker zu seinen „footsteps“ zählt, Lieblingslieder, die ihn geformt und bewegt haben. Coverversionen von populären Hits werden auf die schmeichelnde de-Burgh-Linie eingestimmt: „Turn Turn Turn“ von den Birds oder das Beatles-Lied „The Long And Winding Road“ erzählen auch, wie einer sein Handwerkszeug gelernt hat. Heute hat der Musiker mehr als 45 Millionen Tonträger verkauft.

Romantik mit viel Energie, getragen von seiner gefühligen, weichen Stimme mit besonderer Ausprägung in der Kopfstimme, sind die Erfolgsgaranten des 62-Jährigen. Der Mann mit der schwarzen Bügelfaltenhose, dem weißen Hemd, der schwarzen Lederjacke und der Gitarre zeigt sich als begnadeter Entertainer, der um die Seelenlage seiner mit ihm älter werdenden Fans weiß.

Für ihn braucht es wenig Performance, nur ein paar Hand- und Hüftbewegungen, freundliches Geplauder auf Englisch. Nein, ein Rocker ist dieser Schmuse-Barde nicht, auch wenn die laut dröhnende Musik seines Quartetts ihm zuweilen Ähnliches vorgeben will. Denn die Kunst des Chris de Burgh ist die des musikalischen Geschichtenerzählers, Balladenähnliches mit Gitarre wie der neue Song seiner demnächst erscheinenden CD: Da singt er in „People Of The World“ von Menschen, die für den Frieden sterben, Erinnerung an eine junge Frau im Iran, sagt er und lächelt leise.

Zugaben, Applaus, haufenweise Geschenke und Blumen. Es ist 22.45 Uhr, als de Burgh sein Konzert beendet. Noch im Weggehen drückt er Hände und schreibt Autogramme.

Von Juliane Sattler

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