Star beim Open Flair: Punk-Legende Iggy Pop (64) im Interview

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Iggy Pop

Live war Iggy Pop schon immer eine Wucht: Als Frontmann der Stooges stürzte der US-Sänger Anfang der 70er-Jahre von der Bühne in die Zuschauermenge und erfand so das Stagediving.

Er ließ flüssigen Kerzenwachs über seinen nackten Oberkörper laufen und zerschnitt sich die Brust mit Glasscherben. Mittlerweile ist der Vater des Punk 64 und immerhin ein bisschen ruhiger. Am Samstag tritt Pop, der vergangenes Jahr in die Hall of Fame des Rock’n’Roll aufgenommen wurde, mit seiner Band The Stooges beim Eschweger Open-Flair-Festival auf. Wir sprachen mit ihm.

Der bisherige Sommer in Deutschland war alles andere als festivalfreundlich. Wie meistern Sie schlechtes Wetter bei Veranstaltungen?

Iggy Pop: Wenn es regnet, gehe ich einfach raus und mime den tapferen Superhelden. Dafür bin ich dann eine Woche später total krank. Das ist mir auf einem Festival in Schweden passiert. Da hat es während meines Auftritts so gegossen, dass ich patschnass wurde, als ich mich unter die Menge gemischt habe. Eine Woche später musste ich dafür bezahlen, ich bekam eine schwere Bronchitis.

Obwohl Sie als Erfinder des Stagedivings gelten, wollten Sie vergangenes Jahr damit aufhören. Dann haben Sie es doch immer mal wieder getan. Springen Sie auch bei Festivals einfach in die Menge?

Pop: Ja, bei Gelegenheit. Wobei es bei den kleinen Festivals besser funktioniert. Wenn nur ein paar Tausend Leute da sind, ist der Zaun nicht so weit weg. Denn bis jetzt sind mir noch keine Flügel gewachsen. Generell suche ich gern den Kontakt zur Menge, und sei es nur, um die Leute für die körperlichen Qualen zu belohnen, die sie durchstehen müssen, um in der ersten Reihe eines 20 000-Mann-Konzerts zu stehen.

Vor kurzem starb Amy Winehouse, wahrscheinlich weil sie zu viel Alkohol und Drogen zu sich genommen hatte. Sie pflegten früher den gleichen extremen Lebensstil, warum haben Sie überlebt?

Pop: Ich hatte einfach nicht so viel Geld wie Amy. Das ist für mich die einzige, logische Erklärung. Was wir uns damals leisten konnten, hatten wir in vier Stunden niedergemacht. Alles andere, was wir noch organisieren konnten, war spätestens nach einem Tag weg.

Kannten Sie Amy persönlich?

Pop: Ja, ich bin ihr einmal kurz begegnet. Wir saßen beim Fototermin auf einer Preisverleihung nebeneinander und sie war sehr süß.

Ihr Auftritt vor Kurzem in der US-Version von „DSDS“ war durchaus umstritten. Was halten Sie von derartigen Casting-Sendungen?

Pop: Viele fanden es schrecklich, dass ich dort aufgetreten bin. Sowohl diejenigen, die die Sendung nicht mögen, als auch diejenigen, die mich nicht mögen. Aber als ich anfing, mich für Popmusik zu interessieren, gab es auch Formate, die genauso abscheulich waren. Denken Sie an die „Ed Sullivan Show“, da trat zuerst ein Hund auf, dann ein Zirkuskünstler und dann kamen die verdammten Rolling Stones. Generell hat mir die Sendung nie gefallen, denn man wird dafür ausgezeichnet, ein Papagei zu sein. Wenn man eine schöne Stimme und ein hübsches Gefieder hat und das macht, was einem gesagt wird, mit dem andere Geld verdienen, dann wird man belohnt. Aber in dem Moment, in dem man eingeladen wird, wird es zu einer Herausforderung.

Sie wurden vergangenes Jahr in die Ruhmeshalle des Rock’n’Roll eingeführt. Hat es Ihnen irgendetwas bedeutet?

Pop: Ich bin nicht Gene Simmons von Kiss, der 3500 kleine Produkte mit seiner Maske darauf braucht. Aber somit kann ich immerhin behaupten, dass ich es tatsächlich zu etwas gebracht habe, was mir 1973 keiner zutrauen wollte. So kann keiner mehr behaupten, ich sei ein Totalausfall. Also können alle mal schön ihre Klappe halten.

Open Flair: Freitag bis Sonntag in Eschwege mit Iggy & The Stooges, Die Fantastischen Vier, Schandmaul, Jupiter Jones und vielen anderen. Das Festival ist ausverkauft.

Von Markus W. Erlwein

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