Star-Choreograf Royston Maldoom tanzt mit Kasseler Schülern

Kassel. Star-Choreograf Royston Maldoom ist zu Besuch in Kassel. Mit 130 Schülern übt er im Opernhaus Massen-Tanzszenen, die später öffentlich aufgeführt werden sollen.

„Seid offen! Seid wachsam!“ Den mehr als 100 Jugendlichen auf der Bühne des Kasseler Opernhauses fällt die Konzentration nicht leicht. Doch dann gelingt die Massen-Tanzszene ganz gut. Zum marschartigen Finale von Dmitri Schostakowitschs „Suite für Varieté-Orchester“ lösen sich mehrere Kreise mit Tänzern auf, die Darsteller laufen festen Schrittes in einer Linie den Bühnenrand entlang und bilden erneut eine feste Formation, dann Abgang nach links und rechts. Beifall der Probenzuschauer brandet auf.

Es ist ein Arbeitsbesuch bei Royston Maldoom und seinem Kasseler Tanzprojekt „creation moves“, das mit 130 Kindern aus sechs Kasseler Schulen und dem Staatsorchester am 11. Mai im Opernhaus Premiere hat und an den beiden Folgetagen wiederholt wird.

Royston Maldoom (70), der durch seine tanzpädagogischen Projekte in aller Welt berühmt wurde, genießt zwar einen Promistatus, doch das macht seine Arbeit mit den Jugendlichen hier nicht leichter. Es ist ein Kampf um Konzentration, und die Appelle an die Leistungsbereitschaft und Disziplin machen einen großen Teil der Arbeit aus. „Wir geben euch 100 Prozent von unserer Energie - und wenn wir von jedem von euch 100 Prozent zurückkriegen, dann schaffen wir alles“, übersetzt Assistentin Mia Sophia Bilitza Maldooms Ansage.

Der Einblick in die Probenarbeit zeigt: Der mühsame Prozess, die Tanzszenen zu erarbeiten, ist der wichtigere Teil dieses Projekts als die (hoffentlich) umjubelten Aufführungen am Ende, denen natürlich der ganze Einsatz der Beteiligten gilt.

Natürlich ist die Zeit knapp, wie Maldoom in der anschließenden Pressekonferenz bekennt, denn er arbeitet mit Jugendlichen, von denen „einige nicht wissen, was eine Probe und was eine Vorstellung ist, was Tanzen und was ein Orchester ist“. Es sei nicht leicht, die Jugendlichen zu motivieren, sagt Maldoom, ihnen zu vermitteln, dass (Selbst-)Disziplin nötig ist, um ein großes Ziel zu erreichen. Noch kommt die Musik aus der Konserve, die Proben mit Orchester stehen noch aus, doch die Dirigenten Patrik Ringborg und Yoel Gamzou sind sicher, dass die Musik der Schostakowitsch-Suite sowie Milhauds „La Création du Monde“ für alle Beteiligten „hitverdächtig“ sind.

Intendant Thomas Bockelmann äußerte die Hoffnung, dass das von zahlreichen Sponsoren mit 150 000 Euro unterstützte Projekt in eine dauerhafte tanzpädagogische Arbeit am Staatstheater münden möge, und Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen bedankte sich bereits vorab bei allen Beteiligten für ein „großartiges Projekt“ zu den Kasseler 1100-Jahr-Feierlichkeiten.

Premiere: 11.5., 19.30 Uhr, Opernhaus Kassel. Karten: Tel. 0561 / 1094-222.

Royston Maldoom über ...

... Motivation

„Die Motivation bei den Jugendlichen zu schaffen, ist harte Arbeit, weil es vielen an Selbstdisziplin mangelt und weil es einen Gruppendruck gibt, wonach es uncool ist, hart an einer Sache zu arbeiten. Grund dafür ist meist ein Mangel an Selbstbewusstsein, und das gilt es zu entwickeln.“

... neue Erfahrungen

„Für Jugendliche in und nach der Pubertät ist es eine wichtige Erfahrung, mit ihrem Körper zu agieren, ihn zu zeigen und sich gegenseitig zu berühren.“

... das Tanzen

„Wir erzählen mit unserem Tanz keine Geschichte, wir drücken uns durch den Tanz aus. Ich sage den Jugendlichen: Tanzt nicht zur Musik, sondern so, dass die Energie der Musik aus euch und euren Bewegungen herauskommt.“

... Kunst und Soziales

„Creation moves ist ein soziales Projekt, aber der künstlerische Anspruch ist dabei essenziell. Ohne das künstlerische Ziel wäre die soziale Erfahrung nicht zu haben.“

Zur Person:

Royston Maldoom (70, verheiratet) stammt aus London. Er übte verschiedene Tätigkeiten aus, ehe er mit 22 Jahren eine Tanzausbildung begann. Er gehört zu den Mitbegründern der Community-Dance-Bewegung. Seit mehr als 30 Jahren leitet er weltweit Tanzprojekte für Menschen ohne tänzerische Ausbildung, vorwiegend für Jugendliche. Die Verfilmung seines Projekts mit Berliner Jugendlichen und den Berliner Philharmonikern „Rhythm is it!“ machte ihn in aller Welt bekannt. 2011 wurde Maldoom mit dem Kasseler Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ ausgezeichnet. Damals entstand die Idee für das Tanzprojekt „creation moves“ mit Kasseler Jugendlichen.

Von Werner Fritsch

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